Autoren-Interview zu meinem Buch „Blackbox Psychotherapie“…& mehr

Ich freue mich, mitzuteilen, dass diese Woche im Blog des Kohlhammer-Verlags ein Autoreninterview mit mir zu meinem am 01.08.24 veröffentlichten Buch „Blackbox Psychotherapie“ erschienen ist. Es beleuchtet noch einmal anhand einiger Fragen die weit verbreiteten Fehlannahmen und die eklatanten Missstände im Bereich der Psychotherapie, die ich in meinem Buch behandle. Interessierte finden das Interview hier.

Außerdem findet sich zu meinem Buch nun auch ein Post auf dem Instagram-Kanal des Verlags (zu finden hier). In einem weiterem Post sieht man derweil, dass mein Buch auf der kürzlich stattgefundenen Frankfurter Buchmesse auslag (zu sehen hier). Na, wer findet es? Kleiner Tipp: Es ist das dritte Foto.

Natürlich freue ich mich auch, dass mein Buch bei Amazon bereits vier hervorragende und hochinformative Rezensionen erhalten hat. Darunter war wohl auch ein langjähriger Abonnent dieses Blogs – daher meinen herzlichsten Dank an den Mann, der mit mir nicht nur das Interesse am Thema, sondern auch die Initialen C. R. teilt.

Sehr gerne möchte ich noch weitere Abonnentinnen und Abonnenten meines Blogs, die diesen Post hier lesen und das Buch erworben haben, ermuntern und ermutigen, eine Rezension bei Amazon zu verfassen und darin mitzuteilen, was sie an dem Buch interessant, überraschend, aufschlussreich oder auch unterhaltsam fanden. Dies ist auch möglich, wenn Sie das Buch woanders erworben haben! Jede Rezension hilft, das Buch bekannter zu machen und weitere Lesende darauf aufmerksam zu machen. Und das ist mir aufgrund meines Wunschs, möglichst viele Menschen mit den in meinem Buch enthaltenen und unglaublich wichtigen Informationen zu erreichen, ein großer Wunsch. Um finanzielle Interessen, das sei hier ganz klar gesagt, geht es mir hierbei nicht (mein Beruf als Psychotherapeut ist finanziell um Längen ergiebiger als meine Tätigkeit als Buchautor). Und teilen Sie mir gerne auch mit, wenn es etwas gibt, das Sie noch nicht verstanden haben oder das noch weiterer Erläuterung bedarf.

Ganz herzliche Grüße

Ihr Dr. Christian Rupp

Erneut Empfehlung der Praxis Dr. Christian Rupp durch FOCUS Gesundheit

Wie schon im Jahr 2023, wird auch im Jahr 2025 die Praxis Dr. Christian Rupp erneut durch FOCUS Gesundheit empfohlen!

Wir freuen uns über diese Auszeichnung und sehen sie als Anlass dafür, weiterhin unsere Qualität hochzuhalten und die psychotherapeutische Versorgung auf dem Land zu verbessern. Da sie durch Ihre Rolle „an vorderster Front“ an genau diesem Unterfangen ganz maßgeblichen Anteil haben, widme ich diese Auszeichnung auch meinen beiden großartigen Mitarbeitenden A. Wunderlich und N. Andreä, die mich nun seit einem Jahr tatkräftig in der Praxis unterstützen.

Endlich: „Blackbox Psychotherapie“ ab sofort überall im Buchhandel erhältlich

Zum Vergrößern anklicken

Heute, am 01.08.2024 kann ich endlich verkünden, dass mein Buch „Blackbox Psychotherapie – Von Irrtümern, Missständen und Lösungsansätzen“ offiziell erschienen ist. Es kann noch ein paar Tage dauern, bis es in allen Buchhandlungen und Onlineshops (wieder) verfügbar ist, jedoch sollten all diejenigen, die es schon vor Monaten vorbestellt haben, es kommende Woche in den Händen halten. Damit kommt ein zwei Jahre dauernder Prozess (im Sommer 2022 kam der Kohlhammer Verlag auf mich zu, wonach sich die Idee zu dem Buch immer weiter konkretisierte) nun endlich an sein Ziel.

Allen Interessierten kann ich wärmstens empfehlen, auf der Website des Verlags selbst ins Vorwort und in die ersten beiden Kapitel des Buchs (Leseprobe) hineinzuschauen. Hier können Sie das Buch außerdem direkt beim Verlag bestellen. Und sowohl beim Kohlhammer Verlag als auch weiter unten in diesem Blog-Post können Sie sich das gesamte Inhaltsverzeichnis ansehen und sich einen Überblich über die Themen machen, auf die ich eingehe. Wer allerdings wissen will, warum ich in dem Buch Bezug zu Schlager, der Verfilmung von “Titanic“ und Romanen wie „Das Parfum“ nehme, der muss es sich kaufen :-).

Blick ins Inhaltsverzeichnis (Teil 1)

Das Schreiben dieses Buchs war seit meiner Promotion vor fast genau fünf Jahren die wohl größte Herausforderung und fiel in eine Zeit, in der nicht nur privat sehr viel bei mir „los war“, sondern ich auch meiner eigentlichen Arbeit in meiner Praxis unverändert in Vollzeit nachging. Das Ergebnis war eine ziemlich lange Zeit, in der jede freie Minute für das Buch reserviert war und es so etwas wie freie Wochenenden de facto nicht gab. Was mich über diese lange Zeit antrieb, war kein finanzieller Aspekt (jeder kann sich ausrechnen, dass ich mit meiner Arbeit als Psychotherapeut sehr viel mehr Geld verdiene als mit Buchverkäufen), sondern das Bestreben, einer breiten und diversen Leserschaft von der (künftigen) Patientin oder dem interessierten Laien über die Hausärztin bis zum angehenden Psychotherapeuten einen Einblick in meinen Beruf zu geben, mit einer Fülle von (für mich durchaus lästigen) Missverständnissen aufzuräumen, wahrscheinlich an etlichen Stellen für Überraschung und Verwunderung zu sorgen – und eine präzise und ehrliche Analyse zu dem zu liefern, was in der Psychotherapie in Deutschland gegenwärtig schiefläuft.

Blick ins Inhaltsverzeichnis (Teil 2)

Ich bin daher unglaublich froh und auch stolz, dass das Buch, als Zusammenfassung all der Dinge, die ich gerne in kompakter Form einmal gesagt haben wollte, nun endlich „da“ ist und es sich neben dem informativen auch den unterhaltsam-schmunzelnden Charakter erhalten konnte, der mir so wichtig war. Denn ich bin der festen Auffassung, dass Informationen am besten verdaut werden, wenn sie mit Humor zusammen konsumiert werden.

Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser, ganz gleich welchen Hintergrund sie haben, mit Interesse und Freude dieses Buch lesen werden – und dann zumindest ein Teil der Bevölkerung besser Bescheid weiß über die „Blackbox Psychotherapie“, über die genau so viele Mythen wie Halb- und Unwahrheiten kursieren.

Ich bedanke mich bei allen, die als treue Abonnenten dieses Blogs immer dabei geblieben sind und den Werdungsprozess dieses Buches, das letztlich aus 11 Jahren „psycholography“ hervorging, mitverfolgt haben!

Herzlichst

Ihr Dr. Christian Rupp

Bucherscheinung „Blackbox Psychotherapie“ am 1. August – mit neuem Cover

Nun ist es bald soweit – die Erscheinung meines Buchs „Blackbox Psychotherapie“, über das ich hier und hier schon berichtet hatte, steht unmittelbar bevor und wird am 01.08.24 Realität werden. Ab dann wird das Buch im Buchhandel verfügbar sein, vorbestellbar ist es natürlich schon jetzt.

Eine kleine Überraschung ist, dass auch das Cover noch einmal verändert wurde – es sieht jetzt noch mehr wie ein Sach- und weniger wie ein Fachbuch aus. Ich freue mich drauf!

Buchveröffentlichung „Blackbox Psychotherapie“ auf Sommer verschoben

Leider teilte der Verlag mir heute mit, dass mein Buch „Blackbox Psychotherapie“, das ich in den ersten acht Monaten des Jahrs 2023 geschrieben habe, aufgrund von personellen Engpässen im Lektorat nun doch erst im Sommer, voraussichtlich Ende Juli 2024, erscheinen wird. Anlass für das Verfassen dieses Buchs war, dass mir in rund neun Jahren psychotherapeutischer Tätigkeit aufgefallen war, dass es kaum einen Beruf gibt, bei dem die Realität sich so krass von dem unterscheidet, was der Durchschnittsmensch sich darunter vorstellt, wie beim Beruf des Psychotherapeuten.

In meinem Buch behandle ich daher in sechs unterhaltsamen Kapiteln informativ und humorvoll all die Themen, die mir seit etlichen Jahren am Herzen liegen und förmlich unter den Nageln brannten. Ich widme mich der Aufklärung über eine Vielzahl von Irrtümern und Missverständnissen rund um den Bereich der Psychotherapie von „Wer zum Psychotherapeuten geht, ist bekloppt“ bis zu gängigen Klischees wie dem mit der allseits beliebten „Couch“ und erkläre sowohl, was seriöse Psychotherapie von unseriösen Angeboten unterscheidet und welche Arten von Psychotherapie es gibt, als auch, wie und warum Psychotherapie eigentlich wirkt.

Als nächstes lernen Sie als Leserin einiges sowohl darüber, welche Rechte in der Psychotherapie der Patient hat und welchen zahlreichen Pflichten wiederum die Psychotherapeutin unterliegt (Es sind mehr, als Sie wahrscheinlich dachten!), als auch, warum Psychotherapie bei Weitem nicht für jeden Menschen gedacht ist, der psychisch erkrankt. Im längsten Kapitel beschreibe ich derweil so differenziert wie möglich die komplexen Gründe für die desolate Versorgungslage, die zum unschönen Phänomen der viel zu langen Wartezeiten führt, und lasse Sie an einigen kaum bekannten Missständen sowie seltsamen Blüten teilhaben, die das Gesundheitssystem in Bezug auf die Psychotherapie in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Das Buch schließt mit einer ganz persönlichen und sehr ehrlichen Innensicht von mir auf meinen Beruf – was die vielen Menschen nicht ansatzweise bewussten Belastungen und täglichen Probleme ebenso einschließt wie das, was meinen Beruf trotz allem so erfüllend macht.

Interessierte finden das Buch zum Vorbestellen (auch wenn es noch rund fünf Monate bis dahin sind) unter anderem in diesen Onlineshops:

Wie man sinnvoll mit Schuldgefühlen umgeht – Teil 2: Wiedergutmachung oder entgegengesetztes Handeln?

In Teil 1 ging es darum, herauszufinden, wie viel tatsächliche Verantwortung einem vorhandenen Schuldgefühl gegenübersteht. In diesem Teil soll es nun darum gehen, wie Sie – je nachdem, wie viel Verantwortung Sie rational betrachtet haben – sinnvoll handeln können. Was Sie am besten tun, hängt nun massiv davon ab, was die vorausgehende Analyse ergeben hat. Schauen wir uns das also konkret an:

Fall 1: Hohe tatsächliche Verantwortung.

Der Einfachheit halber definieren wir diesen Fall als „mind. 50 % eigene Verantwortung gemäß Verantwortungskuchen“ (siehe Teil 1). Das dürfte z. B. der Fall sein, wenn Sie betrunken Auto gefahren sind und dabei einen anderen Menschen verletzt haben. Tatsächlich kommt man hier je nach Sachlage nah an die 100 % heran – etwas weniger vielleicht, wenn andere Akteure eine relevante Rolle spielten (andere Person, die Sie gegen Ihren Willen drängte zu fahren, Geschädigter, der bei Rot über die Ampel ging, etc.). In solchen Fällen ist die Handlungsempfehlung ganz klar: Erkennen Sie Ihre Schuld an, stehen Sie zu ihr und übernehmen Sie die Verantwortung. Sorgen Sie, soweit Sie selbst können und die geschädigte Person es zulässt, für Wiedergutmachung durch Entschuldigung, offizielle Schadensersatzleistungen oder symbolische Gesten jedweder Art. Zusätzlich ist es sinnvoll, zukunftsorientiert zu handeln und dafür zu sorgen, dass man selbst – und vielleicht auch andere – denselben Fehler nicht noch einmal begehen. Ich kannte z. B. einmal jemanden, dem es in dieser Situation geholfen hat, ehrenamtlich Vorträge in Fahrschulen zu halten und die Fahrschüler vor Alkohol am Steuer zu warnen. Ganz gleich, wie hoch der Verantwortungsanteil ist: Es ist wichtig, diesem ins Auge zu blicken und ihn vor sich selbst zu akzeptieren (womit ich nicht „gutheißen“ meine, sondern das wertungsfreie Annehmen dieser Schuld als Teil der eigenen Person).

Unabhängig davon, ob der eigene Verantwortungsanteil über oder unter 50 % liegt, kann es natürlich auch Fälle geben, in denen diese Akzeptanzhaltung um noch einen Punkt ergänzt wird, nämlich das Bewusstmachen möglicher guter Gründe für das eigene Handeln, das man trotz der erworbenen Schuld nach wie vor vertreten kann. Das ist immer dann der Fall, wenn man aus einer verantwortungsvollen Position heraus eine Entscheidung trifft (z. B. als Arbeitgeber drei Arbeiter zu entlassen), die einigen Menschen schadet (Arbeitslosigkeit), aber eine Mehrheit von Menschen (den Rest der Belegschaft und den Betrieb als Ganzes) schützt.

Fall 2: Niedrige tatsächliche Verantwortung.

Ganz anders sieht es derweil aus, wenn die tatsächliche Verantwortung, wie in unserem Beispiel mit der Krankmeldung aus Teil 1, eher gering ausfällt – oder man gemäß dem tatsächlichen eigenen Anteil alles an Wiedergutmachung & Co. geleistet hat, was ging – und das Schuldgefühl trotzdem anhält. In diesen Fällen ist es wichtig, sich klarzumachen, dass bei solchen irrationalen, also weit über die tatsächliche Verantwortung hinausgehenden Schuldgefühlen ein Teufelskreis (siehe Abbildungen) greift, der darauf basiert, dass unser Gehirn leider grundsätzlich unser Handeln (im Falle von Schuldgefühl: sich entschuldigen, rechtfertigen, klein machen und bestrafen) als Bestätigung seiner Gefühle versteht („Ich bestrafe mich, also bin ich schuld“) und dadurch das Schuldgefühl nicht verschwindet, sondern immer stärker wird. Daher greift hier ein altbewährtes Prinzip, das Sie vielleicht auch aus meinen Artikeln zum Thema Angst kennen: Das entgegengesetzte Handeln. Im Falle von Schuldgefühl bedeutet das: Tun Sie das Gegenteil von dem, was eine Person tut, die schuldig ist. Tun Sie sich mit voller Absicht etwas Gutes, seien Sie wohlwollend zu sich – und nehmen Sie ganz bewusst eine aufrechte, würdevolle Körperhaltung ein. Machen Sie sich groß statt klein! Das mag unangenehm egoistisch klingen – und ist genau deswegen richtig, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Und ja, es wird sich erst einmal komisch anfühlen, befreit aber dafür bei wiederholter Umsetzung langfristig von den quälenden Schuldgefühlen.

Sonderfall: Schuldgefühl statt Hilflosigkeit

Es gibt bei Schuldgefühlen noch einen Sonderfall, der aus der Reihe tanzt: Nämlich den, dass Schuldgefühle eine Kompensation von realer Hilflosigkeit sind. Das ist z. B. der Fall, wenn Menschen einen geliebten Angehörigen durch einen Autounfall verlieren und diesen Verlust, über den Sie real keinerlei Kontrolle hatten, verarbeiten, indem Sie sich Vorwürfe der Art „Hätte ich ihn doch davon abgehalten, ins Auto zu steigen“ machen. Hier ist es essenziell wichtig zu verstehen, dass diese im Grunde selbst produzierten Schuldgefühle einen Zweck haben: Die selbst zugewiesene Schuld gaukelt einem vor, man habe Kontrolle gehabt, sprich man war nicht hilflos. Oft wählen Menschen (unbewusst) daher den Weg des Schuldgefühls, weil es leichter zu ertragen ist als die Hilflosigkeit. Letztere anzuerkennen und emotional zuzulassen, ist in diesem Fall die Herausforderung und somit auch der Weg zum Loslassen des quälenden Schuldgefühls.

© Dr. Christian Rupp 2024

Wie man sinnvoll mit Schuldgefühlen umgeht – Teil 1: Die Analyse der eigenen Verantwortung.

Schuldgefühle zählen zu den Problemen, die in der Psychotherapie mit am häufigsten Thema sind und enorm zu psychischem Leid beitragen. Schuldgefühle können sehr unterschiedliche Hintergründe haben: So unterscheidet sich das Schuldgefühl, nachdem man im betrunkenen Zustand mit dem Auto einen Menschen angefahren hat, in wichtigen Aspekten von dem Schuldgefühl, das sich einschleicht, nachdem man sich entschieden hat, einem Bedürfnis nachzugehen (sich bei der Arbeit krankmelden, anstatt sich hinzuschleppen, oder den Nachmittag auf dem Sofa verbringen, anstatt die Oma anzurufen), was automatisch bedeutet, dass das Bedürfnis einer oder mehrerer anderer Personen (einen entspannten Arbeitstag haben, von der Enkelin angerufen werden) nicht oder nur teilweise erfüllt wird.

Um zu beantworten, wie man im Falle eines Schuldgefühls handeln sollte, muss man einen Schritt vorweg schalten, und zwar eine gründliche Analyse der rationalen Grundlage des Schuldgefühls. Mit anderen Worten: Sie müssen erst systematisch klären, inwieweit Sie Schuld haben – und woran überhaupt. Und dann gilt es den eigenen Anteil rational zu beziffern. Und weil Schuld als notwendige Voraussetzung hat, dass man für den jeweiligen Umstand Verantwortung trägt, werde ich im Folgenden vorwiegend den Begriff „Verantwortung“ verwenden. Also – legen wir los.

Wie gerade gesagt, müssen wir erst einmal klären, für welchen Umstand Sie (vermeintlich) Verantwortung zu übernehmen haben. In unserem Beispiel mit der Krankmeldung wäre dieser Umstand, dass wegen der eigenen Krankmeldung die anderen Kollegen in Ihrer Abteilung (oder Ähnlichem) heute Ihre Arbeit mitmachen müssen, also mehr Stress haben als sonst. Die nächste Frage lautet: Wie viel Verantwortung haben Sie also an dem zusätzlichen Stress Ihrer Kollegen? Um diese Frage zu beantworten, müssen Sie zunächst einige weitere Fragen stellen. Zunächst einmal fragen Sie sich bitte, ob Sie über eine andere Person, die sich exakt so verhält wie Sie (und aus denselben Gründen) auch so ein hartes Urteil fällen und ihr die Schuld am Stress der Kollegen geben würden. Na, ertappt sich der eine oder andere beim Messen mit zweierlei Maß? Es wäre nicht ungewöhnlich. Außerdem könnten Sie eine vertraute, neutrale dritte Person (Freund, Partnerin…) um eine ehrliche (!) Antwort dazu bitten, wie sehr diese Sie in der Verantwortung sieht. Und drittens können Sie, wenn möglich (es geht nicht immer) die „geschädigten“ Personen selbst fragen, ob sie Ihnen einen Vorwurf machen (auch das ist natürlich nur sinnvoll, wenn diese Personen ehrlich antworten). Aber das ist noch nicht alles.

Die meisten Menschen, ganz gleich ob psychisch erkrankt oder nicht, überschätzen die eigene Verantwortung in solchen Situationen massiv und übersehen, wie viele andere Akteure am jeweiligen Umstand Verantwortung tragen. Um diese Anteile anderer Akteure sichtbar zu machen und zu quantifizieren, gibt es die wunderbare Übung des „Verantwortungskuchens“, bei dem Sie aufgefordert sind, zunächst alle Akteure mit Einfluss auf den jeweiligen Umstand aufzulisten – und ihnen dann im Sinne eines Kreisdiagramms „Kuchenstücke“ von Verantwortung zuzuordnen. Wichtig: Ihren eigenen Anteil schätzen Sie als letztes ein, und natürlich gibt es insgesamt nur 100 % Verantwortung zu verteilen.

„Verantwortungskuchen“ für den hypothetischen Fall, dass durch die eigene Krankschreibung Mehrarbeit für Kollegen entsteht.

Im Schaubild sehen Sie einen hypothetischen Verantwortungskuchen zu unserem Beispiel mit der Krankmeldung, bei dem es darum geht, die Verantwortung für den Stress der Kollegen zu verteilen. Ziemlich schnell wird klar: Ihre Verantwortung ist größer als 0 %, aber weitaus geringer als 100 %, weil man erstens anderen Akteuren Verantwortung zuspricht, die allein aufgrund ihrer Rolle (Arbeitgeber) schon mehr Einfluss und somit Verantwortung tragen (z. B. dadurch, dass Sie für eine ausreichende Personalplanung und Arbeitsverteilung sowie den Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter zuständig sind) – und man zweitens auch den vermeintlich Geschädigten eine Verantwortung für ihr eigenes Handeln zuspricht (bzgl. Überforderung hat auch jeder Betroffene selbst eine Verantwortung für sich selbst, sich durch Abgrenzung vor dieser zu schützen). Was mir sehr wichtig ist: Es geht bei der rationalen Analyse von Schuldgefühl somit im Gegensatz zu manch anderer häufig gesehenen therapeutischen Technik nicht darum, dem Gegenüber Schuldgefühle „auszureden“, sondern es geht darum, der Realität ins Auge zu blicken.

Und damit haben wir den wichtigen Schritt 1 auch schon geschafft: Wir kennen nun unseren tatsächlichen, d. h. rational angemessenen Verantwortungsanteil, und sehr wahrscheinlich ist dieser kleiner als unser (irrationales) Schuldgefühl. In Teil 2 wird es daher darum gehen, wie man, aufbauend auf dem Ergebnis der Analyse, ins Handeln kommt. Und so viel sei schon jetzt gesagt: Je nach Ergebnis der Analyse werden sich die Handlungsempfehlungen gravierend unterscheiden.

© Dr. Christian Rupp 2024

Buchveröffentlichung im Frühjahr: „Blackbox Psychotherapie“

Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass mein Buch „Blackbox Psychotherapie“, das ich in den ersten acht Monaten des Jahrs 2023 geschrieben habe, im kommenden Frühjahr veröffentlicht wird. Anlass für das Verfassen dieses Buchs war, dass mir in rund neun Jahren psychotherapeutischer Tätigkeit aufgefallen war, dass es kaum einen Beruf gibt, bei dem die Realität sich so krass von dem unterscheidet, was der Durchschnittsmensch sich darunter vorstellt, wie beim Beruf des Psychotherapeuten.

In meinem Buch behandle ich daher in sechs unterhaltsamen Kapiteln informativ und humorvoll all die Themen, die mir seit etlichen Jahren am Herzen liegen und förmlich unter den Nageln brannten. Ich widme mich der Aufklärung über eine Vielzahl von Irrtümern und Missverständnissen rund um den Bereich der Psychotherapie von „Wer zum Psychotherapeuten geht, ist bekloppt“ bis zu gängigen Klischees wie dem mit der allseits beliebten „Couch“ und erkläre sowohl, was seriöse Psychotherapie von unseriösen Angeboten unterscheidet und welche Arten von Psychotherapie es gibt, als auch, wie und warum Psychotherapie eigentlich wirkt.

Als nächstes lernen Sie als Leserin einiges sowohl darüber, welche Rechte in der Psychotherapie der Patient hat und welchen zahlreichen Pflichten wiederum die Psychotherapeutin unterliegt (Es sind mehr, als Sie wahrscheinlich dachten!), als auch, warum Psychotherapie bei Weitem nicht für jeden Menschen gedacht ist, der psychisch erkrankt. Im längsten Kapitel beschreibe ich derweil so differenziert wie möglich die komplexen Gründe für die desolate Versorgungslage, die zum unschönen Phänomen der viel zu langen Wartezeiten führt, und lasse Sie an einigen kaum bekannten Missständen sowie seltsamen Blüten teilhaben, die das Gesundheitssystem in Bezug auf die Psychotherapie in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Das Buch schließt mit einer ganz persönlichen und sehr ehrlichen Innensicht von mir auf meinen Beruf – was die vielen Menschen nicht ansatzweise bewussten Belastungen und täglichen Probleme ebenso einschließt wie das, was meinen Beruf trotz allem so erfüllend macht.

Interessierte finden das Buch zum Vorbestellen unter anderem in diesen Onlineshops:

Neu auf der Website: Ausführliche Informationen zu meinem gRUPPentherapie-Angebot

Ab sofort finden Interessierte ausführliche Informationen und Antworten auf die häufigsten Fragen rund um mein Angebot „gRUPPentherapie„, wohinter sich das durch mich entwickelte, integrative Gruppentherapiekonzept zur Bearbeitung zwischenmenschlicher Probleme verbirgt. Hier geht es zu der neu erstellten und sehr ausführlichen Seite.

© Dr. Christian Rupp 2023

Das „Burnout-Syndrom“: Erfundene Diagnose oder echte Krankheit? (Update aus 2023)

Das „Burnout-Syndrom“ oder kurz „Burnout“ ist in aller Munde und aus dem alltäglichen Sprachgebrauch nicht wegzudenken. Doch worum handelt es sich dabei? Gerade wenn man bedenkt, wie oft Menschen berichten, sie seien wegen „Burnout“ krankgeschrieben, erscheint es mir wichtig, mit dem bedeutenden Hinweis einzusteigen, dass entgegen dem landläufigen Eindruck „Burnout“ nach wie vor kein offiziell diagnostizierbares Störungs- bzw. Krankheitsbild ist und somit auch nicht als Diagnose gestellt werden kann. In der 5. Auflage des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-5) existiert die Diagnose ebenso wie in den vorherigen Auflagen nicht, und in der von der WHO herausgegebenen und für das deutsche Gesundheitssystem verbindlichen Internationalen Klassifikation von Krankheiten taucht „Burnout“ in der neusten Version (ICD-11) und in der Vorgängerversion (ICD-10, bis heute im Gebrauch) jeweils nicht als Diagnose auf, die eine Behandlung begründen kann, sondern wird in beiden Fällen weiterhin nur im Kapitel „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen“ gelistet – quasi als „Nebenfaktor“ (ICD-10-Code: Z73), aber nicht als Diagnose, die eine Behandlung oder eine Krankschreibung begründen könnte. Auf letzterer findet sich als tatsächliche Diagnose, obwohl dem Patienten nicht selten mündlich „Burnout“ mitgeteilt wird, übrigens oft entweder die Diagnose einer depressiven Episode (ICD-10-Code: F32) oder aber die (Verlegenheits-)Diagnose der so genannten Neurasthenie (ICD-10-Code: F48.0), die letztlich auf ziemlich schwammige Weise einen umfassenden Erschöpfungszustand beschreibt, wobei ironischerweise in der ICD-10 beschrieben wird, dass Neurasthenie und das „Burnout-Syndrom“ (Z73) sich gegenseitig ausschließen. Oft habe ich übrigens auch schon gesehen, dass auf einer Krankschreibung Neurasthenie und eine depressive Episode standen. Das ist, wenn man dem Patienten gegenüber von „Burnout“ spricht, nicht nur Etikettenschwindel, sondern auch inhaltlich unsinnig, da die beiden Diagnosen sich gegenseitig ausschließen: Man kann nicht beides haben.

Und trotz dieser Faktenlage ist „Burnout“ inzwischen ein etablierter Begriff im Gesundheitssystem – Anlass genug, einmal zu schauen, wo die Wurzeln dieses Begriffs liegen und was er uns trotz der gegen ihn sprechenden Sachlage bringen könnte.

Die Geschichte des Begriffs

Während der Begriff „Burnout“ („Ausgebranntsein“) heute eher mit der profit- und leistungsorientierten Gesellschaft in Verbindung gebracht wird, bezeichnete er in den 70er Jahren ursprünglich vielmehr den Zustand der Erschöpfung, Ernüchterung und Resignation unter Angehörigen von Berufsgruppen, die sich als an ihren hohen ideellen (nicht materiellen) Zielen gescheitert sahen, z. B. Sozialarbeiter, Pflegekräfte oder Ärztinnen.
Heute hingegen werden Leute, die an „Burnout“ leiden, tendenziell eher als Opfer der Konsum- und Leistungsgesellschaft angesehen, und „Burnout“ selbst hat vielerorts in der Gesellschaft den Status eines „Verwundetenabzeichens“ erhalten: Die Symptomatik ist gesellschaftlich verzeihbar geworden, denn schließlich hat man der Leistungsgesellschaft gedient und sich „kaputt gearbeitet“.

Die vermeintliche Ursache: Stress am Arbeitsplatz

Zweifelsohne: Die Arbeitswelt hat sich verändert. Sie ist schnelllebiger geworden und setzt auf optimierte Kommunikation und permanente Erreichbarkeit. Vor allem E-Mails stellen einen permanenten Stressor dar, der den Arbeitsfluss erheblich behindert. Einer Studie zufolge kann eine deutsche Führungskraft nur durchschnittlich 11 Minuten ununterbrochen arbeiten, bevor eine neue E-Mail reinkommt, das Telefon klingelt, ein Messenger quakt oder es an der Tür klopft. Der Leistungsdruck ist in der Arbeitswelt allgegenwärtig: Der Anteil der Arbeitnehmer, die sich laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in ihrem Job überfordert fühlen, stieg in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich an, und die Folgen dessen sind ziemlich eindeutig.

Was Stress mit unserem Gehirn macht

Dauerhafter Stress führt zur übermäßigen Ausschüttung von Cortisol, einem so genannten Stresshormon. Dieses bewirkt, dass der Präfrontale Cortex (stark beteiligt an wichtigen kognitiven Funktionen wie Entscheiden und logischem Denken) und der Hippocampus (wichtige Funktion für das Gedächtnis und Geburtsstätte neuronaler Stammzellen) ihre Aktivität reduzieren und messbar an Volumen verlieren, während die Amygdala (das Angstzentrum) stärker aktiv wird. Das Ergebnis dieser Prozesse ist das, was man in der klinischen Psychologie und Psychiatrie schon lange kennt – allerdings nicht als „Burnout“, sondern schlichtweg als Depression.

„Burnout“ vs. Depression

Fakt ist: Symptomatisch ist das „Burnout-Syndrom“ so gut wie gar nicht von der Depression zu unterscheiden. In beiden Fällen sind die Leitsymptome gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und verminderte Leistungsfähigkeit (siehe auch mein Artikel zum Thema Depression). Wissenschaftlich ist eine Trennung der beiden Konzepte nicht haltbar.

Wenn man Depression und „Burnout“ nicht anhand der Symptome unterscheiden kann, dann vielleicht anhand der Ursache? Bei „Burnout“ hat es schließlich den Anschein, als wäre der übermäßige Stress die alleinige Ursache. Eigentlich ist es aber nicht der Stress selbst, sondern der Umgang der Person damit, der krank macht. Außerdem gilt wie bei Depression: Stress löst im Allgemeinen nur in Kombination mit bereits bestehender Vorbelastung eine psychische Störung aus. Auch hier möchte ich auf meinen Artikel zu Depression und das dort dargestellte “Vulnerabilitäts-Stress-Modell” verweisen. Dort findet sich eine Aufzählung sämtlicher Faktoren, die in diese Vorbelastung („Vulnerabilität“) eingehen. Insgesamt kann man sich aber merken: Dass von zwei Personen, die objektiv gesehen gleich viel Stress am Arbeitsplatz haben, nur eine eine Depression (oder einen vermeintlichen „Burnout“) entwickelt, erklärt sich dadurch, dass die beiden Personen unterschiedlich stark vorbelastet sind. Dies soll aber ganz ausdrücklich nicht bedeuten, dass der Stress am Arbeitsplatz keine Rolle spielt: Dass dieser in der Vergangenheit zugenommen hat, ist relativ unstrittig und zu großen Teilen in der Veränderung der Arbeitskultur zu sehen, in der wir jedoch ganz aktuell erfreuliche Entwicklungen einer Gegenbewegung sehen (mehr Flexibilität bei Teilzeitarbeit, Vier-Tage-Woche, weniger Pendeln dank Home Office, etc.).

Die Chance, die uns trotz allem der neue Begriff bietet

Depression ist eine schwerwiegende Erkrankung, die mit erheblichen Beeinträchtigungen im Leben einhergeht und leider auch viel zu häufig im Suizid endet. In jedem Augenblick leidet rund einer von 20 Menschen an einer Depression (die so genannte „Punktprävalenz“). Das Risiko, in seinem Leben jemals an Depression zu erkranken, kann mit ca. 10-15 % beziffert werden. Es ist also alles andere als ein seltenes Störungsbild.
Das Problem liegt darin, dass die wenigsten Patienten eine Behandlung erhalten, weil auf dieser Erkrankung ein so großes Stigma liegt. Die Menschen schämen sich, denken, sie seien selbst schuld an ihrer Erkrankung, und gehen nicht zum Arzt. Warum? Weil diese Gerüchte in der Gesellschaft fest verankert sind: Wer an Depression leidet, muss eine schwache Persönlichkeit haben, sollte sich einfach mal aufraffen und sich nicht so anstellen. Studien zufolge begeben sich aufgrund dessen nur rund 60 % der an Depression Erkrankten in Behandlung. Das ist viel zu wenig. Mal abgesehen davon, dass dann nur ein Bruchteil von ihnen angemessen behandelt wird, aber das ist ein anderes Thema.

Das Interessante ist nun, dass die Verbreitung des weniger stigmatisierenden Begriffs „Burnout“ dazu zu führen scheint, dass Menschen sich ihre Probleme eher eingestehen und Hilfe aufsuchen. Immer häufiger kommt es vor, dass jemand mit dem Anliegen namens „Burnout“ einen Psychotherapeuten aufsucht und nach den ersten 20 Minuten die tatsächliche Diagnose gestellt werden kann: Depression.

Sollte man nun vielleicht doch diese Diagnose offiziell machen, damit mehr Leuten geholfen werden kann? Für diese Idee spricht zusätzlich, dass durch diese „Legitimierung“ eventuell langfristig die Arbeitswelt dahingehend unter Druck geraten könnte, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern – ein erfreulicher Trend, der seit einigen Jahren, gerade im Zuge des Mangels an Arbeitskräften deutlich zu beobachten ist. Es sprechen allerdings auch eine ganze Reihe von Faktoren dagegen. Es ist genauso gut möglich, dass „Burnout“, wenn die Diagnose einmal „offiziell“ ist, seinen Reiz als Stigma-freie Erkrankung verliert, weil die Menschen beginnen, sich in genau gleichem Ausmaß dafür zu schämen, sodass wir nichts gewonnen hätten. Zudem sollten sich die offiziellen Diagnosesysteme am Stand der wissenschaftlichen Forschung orientieren und sich nicht dem Druck der Öffentlichkeit beugen (Nach dem Motto: „Wir machen zur Diagnose, was der Volksmund für eine Diagnose hält“). Letztlich wäre dies auch keine wahre Maßnahme gegen die Stigmatisierung von Depression, sondern man würde eine relativ beliebige Zweiteilung („Burnout“/Depression) bestätigen, die schlichtweg nicht zutrifft. Viel wichtiger wäre oder ist es, die Bevölkerung mehr über den Begriff der Depression und ihre Ursachen aufzuklären.

Mein Fazit

Meiner Einschätzung nach trägt der Begriff „Burnout“ eher zu einem Etikettenschwindel bei und erweist der Depression als tatsächlicher Erkrankung in Sachen Entstigmatisierung einen ziemlichen Bärendienst. Für viel wichtiger als die Diskussion über „Burnout“ als anerkannte Krankheit halte ich es, über Depression als schwerwiegende, aber gut behandelbare Erkrankung aufzuklären und gleichzeitig Arbeitgeber dazu zu bewegen, nachhaltiger mit ihren „Human Resources“ umzugehen – was gegenwärtig passiert und in eine erfreuliche Richtung geht.

© Dr. Christian Rupp 2023

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