„Das hat mich getriggert“: Warum Sie darauf verzichten sollten, so zu sprechen (Teil 2)

Wie in Teil 1 angekündigt, soll es in diesem zweiten Teil des Artikels um die beiden weiteren Kritikpunkte an der inflationären Verwendung von Formulierungen gehen, die das Wort „Trigger“ enthalten.

Problem 2: Der fehlende Informationsgehalt

Das zweite Problem mit Formulierungen wie „XYZ hat mich getriggert“ ist ebenso offensichtlich wie frustrierend: Aussagen wie diese haben einen Informationsgehalt, der gegen Null geht. Wenn Sie so etwas hören, wissen Sie weder, was genau am Verhalten der anderen Person etwas ausgelöst hat, noch (und das ist das Schlimmste), WAS für ein Gefühlszustand denn eigentlich ausgelöst wurde. Kurzum: Sie wissen auf Basis einer solchen Aussage rein GAR NICHTS. Den gleichen Informationsgehalt haben übrigens (auch überzufällig häufig in sozialen Berufen verwendet) Äußerungen wie „Das hat etwas mit mir gemacht“ – auch hier zwingt sich unweigerlich die Gegenfrage auf: „Ja, und WAS?“. Vor nicht einmal zehn Jahren, so meine Erinnerung, waren Menschen da noch deutlich differenzierter unterwegs und waren in der Lage, sich präziser auszudrücken. Da verwandte man noch so altmodisch-eindeutige Formulierungen wie „Das hat mich traurig gemacht“, „Da habe ich mich geschämt“, „Das hat mich auf die Palme gebracht“ oder „Das hat mich richtig geärgert“. Selbst Formulierungen wie „Das hat mich berührt“, „Das hat mich aufgebracht“ oder „Das ging mir nahe“ sind immer noch um einiges klarer als irgendeine, die das Wort „Trigger“ enthält.

Problem 3: Die inadäquate Verwendung des Begriffs „Trauma“

Das dritte und letzte Problem an der nun viel zitierten Äußerung ist, dass der Begriff „Trigger“ quasi untrennbar mit dem Konzept des Traumas verwandt ist und aus der wissenschaftlichen Erforschung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) herrührt. Als „Trigger“ wird in den aktuell etablierten Erklärungsmodellen der PTBS nämlich ein Reiz (alle Sinnesqualitäten können betroffen sein, also z. B. ein Geräusch, etwas Sichtbares oder auch ein Geruch) bezeichnet, der neuronal in besonders starker Weise mit der Trauma-Erinnerung (z. B. an eine Vergewaltigung) assoziiert, d. h. verknüpft ist, weil, z. B. bei einer Vergewaltigung, der Täter jenen Geruch an sich hatte und währenddessen bestimmte Geräusche zu hören waren. Aufgrund der neuronalen Besonderheiten einer Trauma-Erinnerung (starke Verknüpfungen innerhalb der Elemente der Erinnerung, dabei aber vom restlichen Gedächtnis auffällig „abgekapselt“) kann ein solcher Trigger-Reiz dann, und zwar unmittelbar und weitgehend ohne bewusste Verarbeitung der betroffenen Person, die gesamte Trauma-Erinnerung aktivieren. Das wiederum bedeutet: Es kommt zu einer Form des Wiedererlebens, d. h. es können 1:1 dieselben Gefühlszustände wie während des Traumas inkl. der assoziierten Körperempfindungen auftreten, aber natürlich auch bildhafte Erinnerungen an das Trauma schlagartig ins Bewusstsein treten (bei statischen Bildern spricht man von „Intrusionen“; werden hingegen ganze Szenen des Traumas in bewegten Bildern und „wie im Hier und Jetzt“ erlebt, nennt man dies „Flashback“). Zusammengefasst spricht man hierbei, wie schon erwähnt, von „Wiedererleben“, was das wichtigste Diagnosekriterium einer PTBS ist. Oft, (nämlich dann, wenn die Wucht der Gefühle zu heftig wird), kommt es bei einem Trigger-Ereignis auch dazu, dass die betroffene Person nicht mehr ansprechbar und scheinbar vom Hier und Jetzt abgekoppelt ist. Das nennt man „Dissoziation“ und ist nach aktueller Lesart der Wissenschaft als Schutzmechanismus des menschlichen Organismus zu begreifen, der, evolutionsbiologisch eingeordnet, einer „Freezing-Reaktion“ (als dritte Option neben „Fight“ und „Flight“, also neben Kampf und Flucht) gleichkommt.

DAS, und nur das, ist gemeint, wenn Fachleute sagen: „Die Patientin wurde getriggert“. Wenn man nun aber anfängt, sämtliche unschönen biographischen Prägungen, von denen wohl die Mehrheit der Menschheit welche haben dürfte und die bei uns allen andauernd das gegenwärtige emotionale Erleben mitbeeinflussen, „Trauma“ zu nennen, ist das nach meiner Auffassung gegenüber Betroffenen mit einer PTBS respektlos und unsensibel. Und es ist auch überhaupt nicht nötig, denn wenn im Laufe einer Therapie deutlich wird, dass bestimmte biographische Prägungen eine relevante Rolle in der vorliegenden Störung spielen, war auch schon vor der Social Media-getriebenen Ausweitung des Traumabegriffs allen Psychotherapeut:innen völlig klar, dass man diese psychotherapeutisch bearbeiten sollte. Und nicht zuletzt hat es ja einen sehr guten Grund, warum die Diagnosesysteme (namentlich das DSM-5 und das ICD-10 bzw. sein werdender Nachfolger ICD-11) ziemlich klar definieren, was ein Trauma ist. Das wurde und wird zwar auch immer weiter aufgeweicht (und ja, ich bin mit der Liste auch nicht ganz einverstanden, was sicher auch daran liegt, dass ich in der mündlichen Gruppenprüfung meines Staatsexamens mit dieser Frage kalt erwischt wurde), aber noch immer listet das DSM-5 letztlich nur tatsächlichen oder drohenden Tod, schwere Verletzung und sexuelle Gewalt, entweder selbst erlebt oder bei einer anderen Person beobachtet, als mögliche Erlebnisse, die ein Trauma sein können – mehr nicht. Es wäre also durchaus klug und außerdem respektvoll ggü. PTBS-Betroffenen, hier verbal etwas abzurüsten, anstatt alle Arten von unschönen Erinnerungen in einen Topf zu werfen und den „Trauma“-Aufkleber draufzupappen. Meine Vorschläge für eine das Wort „Trauma“ umgehende Formulierung wären übrigens, ganz schlicht, „negative biographische Prägung“, etwas malerischer, „wunder Punkt aus der eigenen Geschichte“ oder, noch einfacher, „belastende Erinnerung“. Klingt doch eigentlich viel hübscher als die T-Wörter, oder?

Fun fact am Rande: Anders als mache selbst ernannten „Mental Health-Influencer:innen“ Sie vielleicht glauben machen wollen, ist eine PTBS sehr wohl ein Anlass für eine Psychotherapie, das alleinige Erleben eines Traumas (auf das in nur in einer Minderheit (!) der Fälle überhaupt eine PTBS folgt) aber nicht. Tatsächlich wäre es enorm schädlich und somit zutiefst unethisch, Menschen, die zwar ein Trauma erlebt haben, aber keine PTBS-Symptome und auch sonst keine Anzeichen für eine psychische Störung zeigen, einzureden, dass ihnen „ganz Schreckliches widerfahren“ sei, das man „doch nicht ohne Hilfe verarbeitet haben“ kann. So schafft man ein Problem, ohne dass es je eins gab, und tut es meistens, um die eigene, natürlich selbst zu zahlende „Behandlung“ zu verkaufen. Die meisten echten Psychotherapeut:innen würden das nicht tun und dürfen es aufgrund der Vorgaben ihrer Berufsordnung auch nicht. Aber für nicht geregelte, „unechte“ Pseudoheilberufe wie „Trauma-Coaches“ und Co. gibt es eben keine Berufsordnung und somit auch kaum Regeln, was traurig und bedenklich, aber leider der Stand der Dinge ist. Daher ist hier größte Vorsicht geboten!

Ich hoffe, ich konnte hiermit zumindest ein wenig dazu beitragen, für die unangemessene Verwendung jener T-Wörter zu sensibilisieren und für die Rückkehr zu wunderbaren Alternativformulierungen, die gar nicht neu erfunden werden müssen, zu werben. Und sollte Sie etwas an meinem Artikel verärgert haben, dann benennen Sie es bitte auch so und sagen Sie nicht einfach „Der Rupp hat mich getriggert“. Vielen Dank.

© Dr. Christian Rupp 2026

Autoren-Interview zu meinem Buch „Blackbox Psychotherapie“…& mehr

Ich freue mich, mitzuteilen, dass diese Woche im Blog des Kohlhammer-Verlags ein Autoreninterview mit mir zu meinem am 01.08.24 veröffentlichten Buch „Blackbox Psychotherapie“ erschienen ist. Es beleuchtet noch einmal anhand einiger Fragen die weit verbreiteten Fehlannahmen und die eklatanten Missstände im Bereich der Psychotherapie, die ich in meinem Buch behandle. Interessierte finden das Interview hier.

Außerdem findet sich zu meinem Buch nun auch ein Post auf dem Instagram-Kanal des Verlags (zu finden hier). In einem weiterem Post sieht man derweil, dass mein Buch auf der kürzlich stattgefundenen Frankfurter Buchmesse auslag (zu sehen hier). Na, wer findet es? Kleiner Tipp: Es ist das dritte Foto.

Natürlich freue ich mich auch, dass mein Buch bei Amazon bereits vier hervorragende und hochinformative Rezensionen erhalten hat. Darunter war wohl auch ein langjähriger Abonnent dieses Blogs – daher meinen herzlichsten Dank an den Mann, der mit mir nicht nur das Interesse am Thema, sondern auch die Initialen C. R. teilt.

Sehr gerne möchte ich noch weitere Abonnentinnen und Abonnenten meines Blogs, die diesen Post hier lesen und das Buch erworben haben, ermuntern und ermutigen, eine Rezension bei Amazon zu verfassen und darin mitzuteilen, was sie an dem Buch interessant, überraschend, aufschlussreich oder auch unterhaltsam fanden. Dies ist auch möglich, wenn Sie das Buch woanders erworben haben! Jede Rezension hilft, das Buch bekannter zu machen und weitere Lesende darauf aufmerksam zu machen. Und das ist mir aufgrund meines Wunschs, möglichst viele Menschen mit den in meinem Buch enthaltenen und unglaublich wichtigen Informationen zu erreichen, ein großer Wunsch. Um finanzielle Interessen, das sei hier ganz klar gesagt, geht es mir hierbei nicht (mein Beruf als Psychotherapeut ist finanziell um Längen ergiebiger als meine Tätigkeit als Buchautor). Und teilen Sie mir gerne auch mit, wenn es etwas gibt, das Sie noch nicht verstanden haben oder das noch weiterer Erläuterung bedarf.

Ganz herzliche Grüße

Ihr Dr. Christian Rupp

Erneut Empfehlung der Praxis Dr. Christian Rupp durch FOCUS Gesundheit

Wie schon im Jahr 2023, wird auch im Jahr 2025 die Praxis Dr. Christian Rupp erneut durch FOCUS Gesundheit empfohlen!

Wir freuen uns über diese Auszeichnung und sehen sie als Anlass dafür, weiterhin unsere Qualität hochzuhalten und die psychotherapeutische Versorgung auf dem Land zu verbessern. Da sie durch Ihre Rolle „an vorderster Front“ an genau diesem Unterfangen ganz maßgeblichen Anteil haben, widme ich diese Auszeichnung auch meinen beiden großartigen Mitarbeitenden A. Wunderlich und N. Andreä, die mich nun seit einem Jahr tatkräftig in der Praxis unterstützen.

Endlich: „Blackbox Psychotherapie“ ab sofort überall im Buchhandel erhältlich

Zum Vergrößern anklicken

Heute, am 01.08.2024 kann ich endlich verkünden, dass mein Buch „Blackbox Psychotherapie – Von Irrtümern, Missständen und Lösungsansätzen“ offiziell erschienen ist. Es kann noch ein paar Tage dauern, bis es in allen Buchhandlungen und Onlineshops (wieder) verfügbar ist, jedoch sollten all diejenigen, die es schon vor Monaten vorbestellt haben, es kommende Woche in den Händen halten. Damit kommt ein zwei Jahre dauernder Prozess (im Sommer 2022 kam der Kohlhammer Verlag auf mich zu, wonach sich die Idee zu dem Buch immer weiter konkretisierte) nun endlich an sein Ziel.

Allen Interessierten kann ich wärmstens empfehlen, auf der Website des Verlags selbst ins Vorwort und in die ersten beiden Kapitel des Buchs (Leseprobe) hineinzuschauen. Hier können Sie das Buch außerdem direkt beim Verlag bestellen. Und sowohl beim Kohlhammer Verlag als auch weiter unten in diesem Blog-Post können Sie sich das gesamte Inhaltsverzeichnis ansehen und sich einen Überblich über die Themen machen, auf die ich eingehe. Wer allerdings wissen will, warum ich in dem Buch Bezug zu Schlager, der Verfilmung von “Titanic“ und Romanen wie „Das Parfum“ nehme, der muss es sich kaufen :-).

Blick ins Inhaltsverzeichnis (Teil 1)

Das Schreiben dieses Buchs war seit meiner Promotion vor fast genau fünf Jahren die wohl größte Herausforderung und fiel in eine Zeit, in der nicht nur privat sehr viel bei mir „los war“, sondern ich auch meiner eigentlichen Arbeit in meiner Praxis unverändert in Vollzeit nachging. Das Ergebnis war eine ziemlich lange Zeit, in der jede freie Minute für das Buch reserviert war und es so etwas wie freie Wochenenden de facto nicht gab. Was mich über diese lange Zeit antrieb, war kein finanzieller Aspekt (jeder kann sich ausrechnen, dass ich mit meiner Arbeit als Psychotherapeut sehr viel mehr Geld verdiene als mit Buchverkäufen), sondern das Bestreben, einer breiten und diversen Leserschaft von der (künftigen) Patientin oder dem interessierten Laien über die Hausärztin bis zum angehenden Psychotherapeuten einen Einblick in meinen Beruf zu geben, mit einer Fülle von (für mich durchaus lästigen) Missverständnissen aufzuräumen, wahrscheinlich an etlichen Stellen für Überraschung und Verwunderung zu sorgen – und eine präzise und ehrliche Analyse zu dem zu liefern, was in der Psychotherapie in Deutschland gegenwärtig schiefläuft.

Blick ins Inhaltsverzeichnis (Teil 2)

Ich bin daher unglaublich froh und auch stolz, dass das Buch, als Zusammenfassung all der Dinge, die ich gerne in kompakter Form einmal gesagt haben wollte, nun endlich „da“ ist und es sich neben dem informativen auch den unterhaltsam-schmunzelnden Charakter erhalten konnte, der mir so wichtig war. Denn ich bin der festen Auffassung, dass Informationen am besten verdaut werden, wenn sie mit Humor zusammen konsumiert werden.

Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser, ganz gleich welchen Hintergrund sie haben, mit Interesse und Freude dieses Buch lesen werden – und dann zumindest ein Teil der Bevölkerung besser Bescheid weiß über die „Blackbox Psychotherapie“, über die genau so viele Mythen wie Halb- und Unwahrheiten kursieren.

Ich bedanke mich bei allen, die als treue Abonnenten dieses Blogs immer dabei geblieben sind und den Werdungsprozess dieses Buches, das letztlich aus 11 Jahren „psycholography“ hervorging, mitverfolgt haben!

Herzlichst

Ihr Dr. Christian Rupp

Bucherscheinung „Blackbox Psychotherapie“ am 1. August – mit neuem Cover

Nun ist es bald soweit – die Erscheinung meines Buchs „Blackbox Psychotherapie“, über das ich hier und hier schon berichtet hatte, steht unmittelbar bevor und wird am 01.08.24 Realität werden. Ab dann wird das Buch im Buchhandel verfügbar sein, vorbestellbar ist es natürlich schon jetzt.

Eine kleine Überraschung ist, dass auch das Cover noch einmal verändert wurde – es sieht jetzt noch mehr wie ein Sach- und weniger wie ein Fachbuch aus. Ich freue mich drauf!

Buchveröffentlichung „Blackbox Psychotherapie“ auf Sommer verschoben

Leider teilte der Verlag mir heute mit, dass mein Buch „Blackbox Psychotherapie“, das ich in den ersten acht Monaten des Jahrs 2023 geschrieben habe, aufgrund von personellen Engpässen im Lektorat nun doch erst im Sommer, voraussichtlich Ende Juli 2024, erscheinen wird. Anlass für das Verfassen dieses Buchs war, dass mir in rund neun Jahren psychotherapeutischer Tätigkeit aufgefallen war, dass es kaum einen Beruf gibt, bei dem die Realität sich so krass von dem unterscheidet, was der Durchschnittsmensch sich darunter vorstellt, wie beim Beruf des Psychotherapeuten.

In meinem Buch behandle ich daher in sechs unterhaltsamen Kapiteln informativ und humorvoll all die Themen, die mir seit etlichen Jahren am Herzen liegen und förmlich unter den Nageln brannten. Ich widme mich der Aufklärung über eine Vielzahl von Irrtümern und Missverständnissen rund um den Bereich der Psychotherapie von „Wer zum Psychotherapeuten geht, ist bekloppt“ bis zu gängigen Klischees wie dem mit der allseits beliebten „Couch“ und erkläre sowohl, was seriöse Psychotherapie von unseriösen Angeboten unterscheidet und welche Arten von Psychotherapie es gibt, als auch, wie und warum Psychotherapie eigentlich wirkt.

Als nächstes lernen Sie als Leserin einiges sowohl darüber, welche Rechte in der Psychotherapie der Patient hat und welchen zahlreichen Pflichten wiederum die Psychotherapeutin unterliegt (Es sind mehr, als Sie wahrscheinlich dachten!), als auch, warum Psychotherapie bei Weitem nicht für jeden Menschen gedacht ist, der psychisch erkrankt. Im längsten Kapitel beschreibe ich derweil so differenziert wie möglich die komplexen Gründe für die desolate Versorgungslage, die zum unschönen Phänomen der viel zu langen Wartezeiten führt, und lasse Sie an einigen kaum bekannten Missständen sowie seltsamen Blüten teilhaben, die das Gesundheitssystem in Bezug auf die Psychotherapie in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Das Buch schließt mit einer ganz persönlichen und sehr ehrlichen Innensicht von mir auf meinen Beruf – was die vielen Menschen nicht ansatzweise bewussten Belastungen und täglichen Probleme ebenso einschließt wie das, was meinen Beruf trotz allem so erfüllend macht.

Interessierte finden das Buch zum Vorbestellen (auch wenn es noch rund fünf Monate bis dahin sind) unter anderem in diesen Onlineshops:

Wie man sinnvoll mit Schuldgefühlen umgeht – Teil 1: Die Analyse der eigenen Verantwortung.

Schuldgefühle zählen zu den Problemen, die in der Psychotherapie mit am häufigsten Thema sind und enorm zu psychischem Leid beitragen. Schuldgefühle können sehr unterschiedliche Hintergründe haben: So unterscheidet sich das Schuldgefühl, nachdem man im betrunkenen Zustand mit dem Auto einen Menschen angefahren hat, in wichtigen Aspekten von dem Schuldgefühl, das sich einschleicht, nachdem man sich entschieden hat, einem Bedürfnis nachzugehen (sich bei der Arbeit krankmelden, anstatt sich hinzuschleppen, oder den Nachmittag auf dem Sofa verbringen, anstatt die Oma anzurufen), was automatisch bedeutet, dass das Bedürfnis einer oder mehrerer anderer Personen (einen entspannten Arbeitstag haben, von der Enkelin angerufen werden) nicht oder nur teilweise erfüllt wird.

Um zu beantworten, wie man im Falle eines Schuldgefühls handeln sollte, muss man einen Schritt vorweg schalten, und zwar eine gründliche Analyse der rationalen Grundlage des Schuldgefühls. Mit anderen Worten: Sie müssen erst systematisch klären, inwieweit Sie Schuld haben – und woran überhaupt. Und dann gilt es den eigenen Anteil rational zu beziffern. Und weil Schuld als notwendige Voraussetzung hat, dass man für den jeweiligen Umstand Verantwortung trägt, werde ich im Folgenden vorwiegend den Begriff „Verantwortung“ verwenden. Also – legen wir los.

Wie gerade gesagt, müssen wir erst einmal klären, für welchen Umstand Sie (vermeintlich) Verantwortung zu übernehmen haben. In unserem Beispiel mit der Krankmeldung wäre dieser Umstand, dass wegen der eigenen Krankmeldung die anderen Kollegen in Ihrer Abteilung (oder Ähnlichem) heute Ihre Arbeit mitmachen müssen, also mehr Stress haben als sonst. Die nächste Frage lautet: Wie viel Verantwortung haben Sie also an dem zusätzlichen Stress Ihrer Kollegen? Um diese Frage zu beantworten, müssen Sie zunächst einige weitere Fragen stellen. Zunächst einmal fragen Sie sich bitte, ob Sie über eine andere Person, die sich exakt so verhält wie Sie (und aus denselben Gründen) auch so ein hartes Urteil fällen und ihr die Schuld am Stress der Kollegen geben würden. Na, ertappt sich der eine oder andere beim Messen mit zweierlei Maß? Es wäre nicht ungewöhnlich. Außerdem könnten Sie eine vertraute, neutrale dritte Person (Freund, Partnerin…) um eine ehrliche (!) Antwort dazu bitten, wie sehr diese Sie in der Verantwortung sieht. Und drittens können Sie, wenn möglich (es geht nicht immer) die „geschädigten“ Personen selbst fragen, ob sie Ihnen einen Vorwurf machen (auch das ist natürlich nur sinnvoll, wenn diese Personen ehrlich antworten). Aber das ist noch nicht alles.

Die meisten Menschen, ganz gleich ob psychisch erkrankt oder nicht, überschätzen die eigene Verantwortung in solchen Situationen massiv und übersehen, wie viele andere Akteure am jeweiligen Umstand Verantwortung tragen. Um diese Anteile anderer Akteure sichtbar zu machen und zu quantifizieren, gibt es die wunderbare Übung des „Verantwortungskuchens“, bei dem Sie aufgefordert sind, zunächst alle Akteure mit Einfluss auf den jeweiligen Umstand aufzulisten – und ihnen dann im Sinne eines Kreisdiagramms „Kuchenstücke“ von Verantwortung zuzuordnen. Wichtig: Ihren eigenen Anteil schätzen Sie als letztes ein, und natürlich gibt es insgesamt nur 100 % Verantwortung zu verteilen.

„Verantwortungskuchen“ für den hypothetischen Fall, dass durch die eigene Krankschreibung Mehrarbeit für Kollegen entsteht.

Im Schaubild sehen Sie einen hypothetischen Verantwortungskuchen zu unserem Beispiel mit der Krankmeldung, bei dem es darum geht, die Verantwortung für den Stress der Kollegen zu verteilen. Ziemlich schnell wird klar: Ihre Verantwortung ist größer als 0 %, aber weitaus geringer als 100 %, weil man erstens anderen Akteuren Verantwortung zuspricht, die allein aufgrund ihrer Rolle (Arbeitgeber) schon mehr Einfluss und somit Verantwortung tragen (z. B. dadurch, dass Sie für eine ausreichende Personalplanung und Arbeitsverteilung sowie den Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter zuständig sind) – und man zweitens auch den vermeintlich Geschädigten eine Verantwortung für ihr eigenes Handeln zuspricht (bzgl. Überforderung hat auch jeder Betroffene selbst eine Verantwortung für sich selbst, sich durch Abgrenzung vor dieser zu schützen). Was mir sehr wichtig ist: Es geht bei der rationalen Analyse von Schuldgefühl somit im Gegensatz zu manch anderer häufig gesehenen therapeutischen Technik nicht darum, dem Gegenüber Schuldgefühle „auszureden“, sondern es geht darum, der Realität ins Auge zu blicken.

Und damit haben wir den wichtigen Schritt 1 auch schon geschafft: Wir kennen nun unseren tatsächlichen, d. h. rational angemessenen Verantwortungsanteil, und sehr wahrscheinlich ist dieser kleiner als unser (irrationales) Schuldgefühl. In Teil 2 wird es daher darum gehen, wie man, aufbauend auf dem Ergebnis der Analyse, ins Handeln kommt. Und so viel sei schon jetzt gesagt: Je nach Ergebnis der Analyse werden sich die Handlungsempfehlungen gravierend unterscheiden.

© Dr. Christian Rupp 2024

Buchveröffentlichung im Frühjahr: „Blackbox Psychotherapie“

Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass mein Buch „Blackbox Psychotherapie“, das ich in den ersten acht Monaten des Jahrs 2023 geschrieben habe, im kommenden Frühjahr veröffentlicht wird. Anlass für das Verfassen dieses Buchs war, dass mir in rund neun Jahren psychotherapeutischer Tätigkeit aufgefallen war, dass es kaum einen Beruf gibt, bei dem die Realität sich so krass von dem unterscheidet, was der Durchschnittsmensch sich darunter vorstellt, wie beim Beruf des Psychotherapeuten.

In meinem Buch behandle ich daher in sechs unterhaltsamen Kapiteln informativ und humorvoll all die Themen, die mir seit etlichen Jahren am Herzen liegen und förmlich unter den Nageln brannten. Ich widme mich der Aufklärung über eine Vielzahl von Irrtümern und Missverständnissen rund um den Bereich der Psychotherapie von „Wer zum Psychotherapeuten geht, ist bekloppt“ bis zu gängigen Klischees wie dem mit der allseits beliebten „Couch“ und erkläre sowohl, was seriöse Psychotherapie von unseriösen Angeboten unterscheidet und welche Arten von Psychotherapie es gibt, als auch, wie und warum Psychotherapie eigentlich wirkt.

Als nächstes lernen Sie als Leserin einiges sowohl darüber, welche Rechte in der Psychotherapie der Patient hat und welchen zahlreichen Pflichten wiederum die Psychotherapeutin unterliegt (Es sind mehr, als Sie wahrscheinlich dachten!), als auch, warum Psychotherapie bei Weitem nicht für jeden Menschen gedacht ist, der psychisch erkrankt. Im längsten Kapitel beschreibe ich derweil so differenziert wie möglich die komplexen Gründe für die desolate Versorgungslage, die zum unschönen Phänomen der viel zu langen Wartezeiten führt, und lasse Sie an einigen kaum bekannten Missständen sowie seltsamen Blüten teilhaben, die das Gesundheitssystem in Bezug auf die Psychotherapie in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Das Buch schließt mit einer ganz persönlichen und sehr ehrlichen Innensicht von mir auf meinen Beruf – was die vielen Menschen nicht ansatzweise bewussten Belastungen und täglichen Probleme ebenso einschließt wie das, was meinen Beruf trotz allem so erfüllend macht.

Interessierte finden das Buch zum Vorbestellen unter anderem in diesen Onlineshops:

Neu auf der Website: Ausführliche Informationen zu meinem gRUPPentherapie-Angebot

Ab sofort finden Interessierte ausführliche Informationen und Antworten auf die häufigsten Fragen rund um mein Angebot „gRUPPentherapie„, wohinter sich das durch mich entwickelte, integrative Gruppentherapiekonzept zur Bearbeitung zwischenmenschlicher Probleme verbirgt. Hier geht es zu der neu erstellten und sehr ausführlichen Seite.

© Dr. Christian Rupp 2023

Gruppenraum fertig eingerichtet

Rechtzeitig vor Jahresende konnte ich endlich ein wegen der Pandemie seit drei Jahren brachliegendes Projekt vollenden, nämlich die Einrichtung des neuen Gruppenraums. Wie auch der Rest der Praxis ist der Raum im bewährten Stilmix aus altem und modernem Design mit indirektem Lichtkonzept und Farbgebung aus dem bekanntem Blau-Gelb-Spektrum in Verbindung mit Eichenholz gestaltet. Die Stühle sind, wie überall in der Praxis, genau so verschieden, wie die Menschen, die auf ihnen Platz nehmen. Passend zum häufigsten Nachnamen in meiner Patientenkartei tauchen im neuen Gruppenraum nun neben den alten Bekannten auch die skandinavischen Designer Fritz Hansen und Carl Hansen auf.

Ich bedanke mich vor allem bei Peter Vogler und seiner Frau (Akzente, Flensburg) für die beiden aufbereiteten dänischen Kommoden aus den 1950er Jahren und bei Elisa und Torsten Behnke (Restaurant TreibGut, Eckernförde) für die die außergewöhnliche Bullaugen-Lampe.

Inspiriert durch die Lage der Praxis mitten zwischen der Nordsee im Westen und der Ostsee im Osten hängen an der Westwand des nach Norden ausgerichteten Raumes eigene Fotografien aus Husum und vom roten Kliff auf Sylt, während die Ostwand von Aufnahmen aus Eckernförde verschönert wird. Nord- und Südwand wiederum sind mit aufeinander Bezug nehmenden maritimen Motiven ausgestattet, wovon eines von meinem Mann gemalt wurde (Acryl auf Leinwand).

Der Gruppenraum bietet Platz für bis zu sieben Patient:innen und mich als Therapeut und markiert die Umsetzung des lange aufgeschobenen Vorhabens, meine seit drei Jahren bestehende Abrechnungsbefugnis für Gruppentherapie nun endlich zu nutzen. Geplant ist, dass im 1. Quartal 2022 die erste themenspezifische Gruppe zu zwischenmenschlichen Problemen (mit Elementen aus dem sozialen Kompetenztraining, dem CBASP und der Interpersonellen Therapie) beginnt. Anvisiert sind im Jahresverlauf zudem evtl. noch weitere themenspezifische Gruppen zu spezieller Schmerzpsychotherapie und Angstbewältigung. Die Gruppen richten sich an Patient:innen, die sich bereits bei mir in Einzeltherapie befinden, und werden durch mich nach Rücksprache mit den interessierten Patient:innen zusammengestellt, wobei ich auf eine gute Passung der Teilnehmenden achte.

Geplant ist aktuell, dass die Gruppentherapie unter 2G-Bedingungen mit Maskenpflicht stattfindet, unterstützt durch einen leistungsstarken Luftfilter und Lüften.

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