„Das hat mich getriggert“: Warum Sie darauf verzichten sollten, so zu sprechen (Teil 1)

Viele meiner Patient:innen, insbesondere die Mitglieder meiner Gruppentherapien, wissen, dass ich relativ vehement darin bin, korrigierend einzugreifen, wenn eine Variante des Wortes „triggern“ fällt. Nun könnte man meinen, dass ich einfach grundsätzlich pedantisch bin, was einen präzisen Gebrauch von Sprache angeht (was definitiv der Fall ist), aber das allein ist nicht der Grund, warum ich mich weigere, diesen Begriff in der Form, wie er inzwischen in der Alltagssprache verwendet wird, zu übernehmen. In diesem Artikel möchte ich daher gerne darlegen, warum die Verwendung des Begriffs, in den allermeisten Fällen, einerseits sinnlos und unnötig sowie andererseits unsensibel und respektlos ist.

Sätze wie „XYZ hat mich getriggert“ fallen in meinen Therapieräumen ebenso häufig wie in privaten Gesprächen unter Menschen und in, im weitesten Sinne mit „mentalen Themen“ assoziierten Social Media-Blasen. Insbesondere fällt dieser Begriff in Gesprächen zwischen Menschen (überzufällig häufig solchen aus sozialen Berufen), die sich eine psychologische Fachkenntnis zusprechen, die unterm Strich jedoch meist nicht über Küchenpsychologie hinausgeht. Was diese Menschen damit jeweils zum Ausdruck bringen möchten, ist letztlich nichts anderes, als dass die Äußerung oder das Verhalten einer anderen Person bei ihnen, und das zumindest scheinbar plötzlich, ein starkes Gefühl ausgelöst hat. Der Begriff („trigger“ bedeutet auf Englisch nichts anderes als „Auslöser“, und hierin liegt bereits eine gravierende Absurdität hinsichtlich des nicht vorhandenen Informationsgehalts) impliziert aber auch, dass das Gefühl dadurch ausgelöst wurde, dass eine eigene, nennen wir es einmal „biographische Wunde“, durch einen äußeren Auslöser aktiviert bzw., wenn wir beim Bild der Wunde bleiben, „aufgerissen“ wurde. Spätestens hier wird sehr klar, dass der Begriff „Trigger“ ein traumatherapeutischer Begriff ist, der suggeriert, dass eine „traumatische“ Erinnerung (keine Sorge, um diesen Begriff wird es gleich auch noch gehen) durch einen externen Auslöser reaktiviert wird, was in Form heftiger, plötzlich auftretender Gefühle deutlich wird.

Um das etwas anschaulicher zu machen, soll ein kleines Beispiel herhalten: Man stelle sich vor, eine Person, die in ihrer Biographie durch wiederholte Lernerfahrungen mit einer abwertenden, demütigenden Mutter eine Prägung (je nach Therapieschule würde man an dieser Stelle auch von „Schema“, „Grundannahme“, „Glaubenssatz“ oder „innerem Konflikt“ reden – was im Grunde alles dasselbe meint) dahingehend erworben hat, sich selbst für klein, unfähig und wertlos zu halten, geht in Berlin zum Bäcker und wird dort, als sie an der Reihe ist und sie nicht sofort sagen kann, was für ein Brot sie haben möchte, von der (Berliner) Bäckereifachverkäuferin mit den Worten angesprochen: „Een bisschen schneller, wenn’s jeht, annere Kunden wollen och noch watt ham“. Dies wiederum aktiviert bei der Person jene Prägung („Ich bin klein, unfähig und wertlos“), was sich in einem dazu passenden, aber durchaus diffusen Gefühlszustand äußert, der sich u. a. aus Angst und Scham sowie einer geduckten Körperhaltung zusammensetzt. In jener küchenpsychologischen Pseudofachsprache würde die Person, wenn sie beruflich entsprechend sozialisiert ist oder ausreichend viele Reels bei Instagram und TikTok zu angeblichen „Trauma-Typen“ gesehen hat (in denen man sich natürlich immer irgendwo wiederfindet, genau wie in Horoskopen), den Vorfall dann folgendermaßen beschreiben: „Die Bäckereifachverkäuferin hat mich getriggert“, und vielleicht würde sie noch hinterherschieben: „Sie hat mein Demütigungstrauma aufgerissen“, wenn nicht sogar der noch gewaltigere und ebenso falsche sowie vollkommen sinnlose Begriff der „Retraumatisierung“ fallen würde (ich gehe hier nicht ins Detail und sage nur: Vergessen Sie diesen Begriff bitte einfach). So, und nun beschreibe ich, welche drei gewichtigen Probleme es mit dieser Art der Formulierung gibt:

Problem 1: Die Verschiebung der Verantwortung

Das erste, was an Formulierungen der Art „XYZ hat mich getriggert“ problematisch ist, ist, dass damit die Verantwortung für die Auslösung des Gefühls dem Gegenüber zugeschoben wird. Und obwohl es aus psychotherapeutischer Sicht, ganz im Sinne des Ziels, Patient:innen zur Selbstwirksamkeit im Umgang mit ihren Gefühlen zu verhelfen, ein katastrophaler Fehler wäre, primär andere Menschen für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen, ist das leider ein weit über den psychotherapeutischen Bereich hinausgehender gesellschaftlicher Trend, den ich mit großer Sorge betrachte. Das tue ich deshalb, weil durch dieses Andere-verantwortlich-Machen leider das Gegenteil von Selbstwirksamkeit erreicht wird (was konkret hieße: Verantwortung für das eigene Gefühl übernehmen und damit den Jackpot einheimsen, dass man sich dadurch auch aus dem Leid befreien kann), nämlich die Zementierung eines Selbstbilds als hilfloses Opfer, dem „Böses angetan“ wurde. Und das, so viel kann ich Ihnen als Psychotherapeut versichern, ist quasi eine Garantie für langanhaltende psychische Nicht-Gesundheit und zudem ein ideales Sprungbrett in chronifizierte psychische Probleme, u. a. deshalb, weil die eingenommene Opferrolle mit dem Anspruch an die Menschen im eigenen Umfeld einhergeht, dass diese gefälligst Rücksicht auf die eigenen „Triggerpunkte“ zu nehmen haben – was, wenngleich als Haltung immer weiter verbreitet, ein völlig überhöhter und unrealistischer Anspruch ist und einzig und allein zu Enttäuschung führt, weil (Überraschung!) kein normaler Mensch so etwas leisten kann. Und übrigens hilft diese Identifizierung mit einer Opferrolle auch nicht im Entferntesten dabei, solch einer barschen Berliner Bäckereifachverkäuferin souverän irgendetwas zu entgegnen. Und es hilft erst recht nicht in Situationen, in denen nicht nur eine (auf aktivierten Prägungen basierende) gefühlte, scheinbare Demütigung, sondern eine tatsächliche, eindeutige Demütigung stattfindet (wie z. B. „Du dumme F*tze, wie hässlich bist du eigentlich?“). Ein Vorschlag dazu, was man anstelle von „Die Bäckereifachverkäuferin hat mich getriggert“ sagen könnte, wäre z. B.: „Das Verhalten der Bäckereifachverkäuferin hat bei mir Scham ausgelöst und mich klein fühlen lassen, weil mich ihr Tonfall an das herabwürdigende Verhalten meiner Mutter erinnert hat“. Kein Hexenwerk, ganz normale Sprache, keine unnötigen Anglizismen, und sehr klar. Zudem: Die sprechende Person macht klar, woran sie selbst ansetzen kann, wenn sie das Gefühl bewältigen möchte – nämlich an der eigenen biographischen Prägung, für deren Entstehung im Elternhaus sie (um es ganz klar zu sagen) natürlich keine Schuld trägt. Die Verantwortung für den Umgang mit dieser Prägung in der Gegenwart obliegt ihr derweil sehr wohl, ob sie nun will oder nicht.

Im zweiten Teil des Artikels werde ich mit den beiden weiteren Kritikpunkten befassen, d. h. mit dem Problem des fehlenden Informationsgehalts und dem inadäquaten Bezug zum Begriff des „Traumas“.

© Dr. Christian Rupp 2026

Wirken alle Formen von Psychotherapie eigentlich gleich gut? Das Dodo-Bird-Verdict.

Zu dem folgenden Artikel wurde ich inspiriert durch einen am 3. Juni diesen Jahres in der taz veröffentlichten Zeitungsartikel zum Thema Psychotherapie. Eigentlich handelte er von den zahlreichen Hindernissen, die Patienten, die eine Psychotherapie in Anspruch nehmen möchten, in Deutschland überwinden müssen (aufgrund der chronischen Unterversorgung). Mitten im letzten Abschnitt fand sich aber dann eine These, die so, wie sie dort dargestellt wurde, definitiv nicht zutrifft. Diese lautete:

„Das am besten belegte Ergebnis der Psychotherapieforschung, auch als ‚Dodo Bird effect‘ bekannt, ist nämlich, dass alle Therapien gleich gut wirken. Eine Überbetonung der Methode ist sogar eher kontraproduktiv.“

Zunächst einmal: Der Name „Dodo-Bird-Effect“, in der Forschung meist als „Dodo-Bird-Verdict“ bezeichnet, ist, so seltsam er klingen mag, tatsächlich noch das Korrekteste in diesen ganzen zwei Sätzen. Der Begriff, der ursprünglich als Satire gemeint war, hat tatsächlich seinen Ursprung bei „Alice im Wunderland“, wo in einer Geschichte ein Dodo den Vorschlag macht, ein Rennen zu veranstalten, bei dem am Ende alle gewinnen, weil es kein Ziel gibt und auch die Zeit nicht gemessen wird. In der Psychotherapieforschung bezeichnet die Metapher derweil tatsächlich die These, dass alle Formen von Psychotherapie (eine Beschreibung der wichtigsten finden Sie hier) eigentlich gleich wirksam sind und es deshalb nicht auf spezifische Therapieinhalte (so genannte Interventionen) wie z.B. Konfrontationsübungen, kognitive Umstrukturierung (Veränderung von Denkmechanismen) oder ein Training sozialer Kompetenzen ankommt, sondern Psychotherapie ausschließlich über so genannte „unspezifische“ Faktoren wirkt. Zu letzteren zählen vor allem die Qualität der therapeutischen Beziehung und das Ausmaß, in dem der Therapeut dem Patienten gegenüber empathisch ist, eine akzeptierende Haltung einnimmt und ihn  allgemein unterstützt.

Belege dafür

Dass eine nicht unwesentliche Zahl von Therapieforschern und praktisch tätigen Therapeuten die Sichtweise des Dodo-Bird-Verdict teilt, kommt nicht von ungefähr. Vermeintliche Belege hierfür stammen aus den Untersuchungen von Luborsky und Kollegen aus den Jahren 1975 und 2002. In beiden Artikeln trägt die Forschergruppe eine große Zahl von Studien zusammen, die systematisch jeweils zwei Therapieformen miteinander verglichen haben, z.B. kognitive Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. In solchen Studien wird dann der Unterschied der Wirksamkeit meist in der Einheit „Cohen’s d“ (einem statistischen Effektstärkenmaß) angegeben. Zur Orientierung: Hierbei spiegeln d-Werte von 0,2 einen kleinen, solche von 0,5 einen mittleren und von 0,8 einen großen Unterschied wider. Schon 1975 konnte die Forschergruppe um Luborsky durch das Zusammentragen solcher Studien zeigen, dass bei den meisten dieser Studien nur sehr kleine und zudem statistisch nicht signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Therapieformen resultieren. 2002 berechnete dieselbe Forschergruppe dann im Rahmen einer Metaanalyse den mittleren Unterschied über sämtliche solche direkten Vergleichsstudien hinweg und kam auf einen Wert von 0,2. Die Schlussfolgerung war: Die Unterschiede zwischen verschiedenen Therapieformen sind so gering, dass sie zu vernachlässigen sind.

Kritik an den Luborsky-Studien

Allerdings kann man an sehr vielen Punkten Kritik an der Vorgehensweise dieser Forschergruppe üben. Die wesentlichsten Punkte seien hier kurz genannt:

  • Die Autoren differenzierten die Ergebnisse nicht nach der jeweiligen Störung, die behandelt wurde, sondern mittelten über alle Störungen hinweg.
  • Unterschiede innerhalb einer Therapieform (z.B. der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie) wurden ignoriert.
  • Es wurden viele Studien eingeschlossen, die die Therapieformen nicht an klinisch kranken Probanden verglichen, sondern an gesunden Probanden mit leichten psychischen Auffälligkeiten (so genannte Analogstichproben) – dies mindert die Aussagekraft.
  • Die Autoren schlossen viele Studien mit kleinen Stichprobenumfängen ein, was es aus statistischen Gründen stark erschwert, etwaige Unterschiede zwischen den Therapieformen überhaupt signifikant nachweisen zu können.
  • Durch die Einschränkung auf Studien, die zwei Therapieformen direkt miteinander verglichen haben, bleiben viele wichtige Befunde aus randomisierten kontrollierten Studien unberücksichtigt.

Belege dagegen

Spezifische Interventionen wirken über unspezifische Wirkfaktoren hinaus

Die Psychotherapieforschung hat zwei wesentliche Befunde vorzuweisen (die aber nicht mit der im taz-Artikel aufgestellten Behauptung übereinstimmen): Erstens, dass die oben beschriebenen unspezifischen Wirkfaktoren (vor allem die Qualität des therapeutischen Arbeitsbündnisses bzw. der therapeutischen Beziehung sowie Empathie & Akzeptanz auf Seiten des Therapeuten) tatsächlich stark mit dem Erfolg der Therapie zusammenhängen. Der Effekt dieser Faktoren auf den Therapieerfolg liegt, statistisch ausgedrückt, immerhin bei einem d-Wert von 0,5 (mittlerer Effekt), wie sich aus einer Vielzahl von Studien ergeben hat. Vor allem sind dies randomisierte kontrollierte Studien mit einer Placebo-Kontrollgruppe, wo die Behandlung in der Placebo-Gruppe eben ausschließlich darin besteht, dass der Therapeut diese unspezifischen Wirkfaktoren umsetzt. Diese Placebo-Behandlung zeigt gegenüber Kontrollgruppen ohne jegliche Behandlung bereits gute Therapieeffekte, aber: Sie sind gleichzeitig meist der Experimentalgruppe, die die Behandlung mit der spezifischen Intervention erhält, unterlegen. Um das ganze mit Leben zu füllen, soll ein kleines Beispiel herhalten: So könnte man z.B. bei Angststörungen drei Therapiebedingungen vergleichen: Eine Gruppe erhält gar keine Behandlung, die zweite eine Placebo-Behandlung (empathischer, aktiv zuhörender Therapeut, Vermittlung von Informationen über Angst, allgemeine Unterstützung) und die dritte eine Konfrontationstherapie (spezifische Intervention zusätzlich zu den auch hier vorhandenen unspezifischen Faktoren). Der Vergleich mit der Gruppe ohne Behandlung ergibt den Effekt wieder in der Einheit „Cohen’s d“: Es ergibt sich z.B. ein Effekt von 0,5 für die Placebogruppe, aber einer von 1,2 für die Konfrontationsgruppe (was durchaus realistische Zahlen sind). Fazit hier wäre (und dies entspricht der Realität): Unspezifische Faktoren verbessern die Angst, aber spezifische Interventionen verbessern sie mehr.

Wenn man nicht nur direkte Vergleiche betrachtet…

Und wenn man eben solche Studienergebnisse mit betrachtet und sich nicht auf direkte Vergleichsstudien einengt, dann ergeben sich durchaus betachtliche Unterschiede zwischen Therapieformen. So konnte z.B. in einer Metaanalyse von Hoffman und Smits (2008) gezeigt werden, dass bei der posttraumatischen Belastungsstörung eine traumafokussierte Psychotherapie (ebenso wie Eye Movement Desensitisation and Reprocessing, kurz EMDR) einer nicht-traumafokussierten Psychotherapie, die auf die Konfrontation mit dem Trauma verzichtet, deutlich überlegen ist. Anders als in den Luborsky-Studien beruhte dieses Ergebnis derweil nicht auf dem gemittelten Unterschied zahlreicher direkter Vergleichsstudien, sondern auf einer großen Zahl von pro Therapieform zusammengetragenen einzelnen randomisierten kontrollierten Studien.

Auf die Störung kommt es an

Dieser Aspekt ist der wohl wichtigste und für die Praxis relevanteste. Ob Therapieformen gleich gut wirken oder nicht, hängt ganz maßgeblich davon ab, welche Störung wir betrachten. Dies konnte sehr eindrucksvoll von Tolin (2010) gezeigt werden, der interessanterweise die gleiche Methode wie die Gruppe um Luborsky verwendete, sich also nur auf direkte Vergleiche beschränkte, und zwar auf direkte Vergleiche jeweils zwischen kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) und anderen Therapieformen. Gemittelt kommt Tolin auch auf einen gemittelten Unterschied von 0,2. Aber: Der Unterschied ist für verschiedene Störungen unterschiedlich hoch (auch wieder gemessen in d-Einheiten). Während die Art der Therapie z.B. bei Essstörungen und Substanzabhängigkeiten tatsächlich kaum eine Rolle spielt (d=0,15 bzw. 0), liegt der gemittelte Unterschied bei der Depression im mittleren Bereich von 0,2, während er bei Persönlichkeits- und Angststörungen deutlich höher ausfällt, nämlich bei 0,34 bzw. 0,43 liegt. Letzteres Ergebnis stützt den Befund aus Therapiestudien, dass bei Angststörungen generell Therapien mit Konfrontationselementen solchen ohne bezüglich der Wirksamkeit überlegen sind. Die Ergebnisse sind also insgesamt so zu verstehen, dass andere Therapieformen der KVT entweder ebenbürtig (d=0) oder unterlegen (d>0) sind.

Die Unterschiede zeigen sich in der langfristigen Wirkung

Ein weiteres Ergebnis der Metaanalyse von Tolin betrifft die Unterschiede in der langfristigen Wirkung. Der gemittelte Unterschied von 0,2 bezieht sich lediglich auf den Vergleich der Symptomverbesserung direkt im Anschluss an die Therapie („post-treatment„). Legt man hingegen die Messungen der Symptomschwere 6 bzw. 12 Monate nach Ende der Therapie zugrunde (so genannte follow-up-Messungen), so ergeben sich über alle Störungen hinweg gemittelte Unterschiede von 0,47 bzw. 0,34. Hieraus kann man den wichtigen Schluss ziehen, dass sich die Unterschiede in der Wirkung verschiedener Psychotherapieformen vor allem auf die nachhaltige Wirkung beziehen, wo gemäß der Metaanalyse von Tolin die KVT nachweislich besser abschneidet als andere Verfahren.

Spezifische Psychotherapie wirkt nicht bei jedem Problem gleich

Anhänger des Dodo-Bird-Verdicts führen, wie oben beschrieben, das Argument an, dass Psychotherapie alleinig über unspezifische Wirkfaktoren wirkt. Dass das nicht stimmt, belegen zwar bereits sämtliche randomisierten kontrollierten Studien mit einer Placebo-Kontrollgruppe (siehe oben), es spricht aber noch ein anderer konsistenter Befund dagegen: Nämlich der, dass eine Psychotherapie im intendierten Störungsbereich stärkere Effekte erzielt als in anderen. Konkret bedeutet dies, dass sich z.B. ein depressionsspezifisches Therapieelement stärker auf Depressivität als beispielsweise auf Angst auswirkt, was nicht so sein sollte, wenn laut Dodo-Bird-Anhängern jede Therapie gleich gut bei allem wirkt.

Fazit

Pauschal zu sagen, dass alle Therapieformen gleich wirken, ist gemäß der Befundlage nicht möglich. Es gibt unspezifische Wirkfaktoren, die nahezu bei jeder Therapieform gleich sind und die auch bereits einen nicht zu vernachlässigenden Effekt bewirken. Aber: Spezische Interventionen sind diesen bei vielen Störungen und vor allem bezüglich der Nachhaltigkeit der Wirkung überlegen, was erklärt, dass eben nicht alle Psychotherapieformen als gleich gut einzustufen sind. Und übrigens: Für den zweiten Teil der Aussage aus dem taz-Artikel („Eine Überbetonung der Methode ist sogar eher kontraproduktiv.„) liegen noch viel weniger Belege vor. Mit anderen Worten: Auch bei der taz ist man vor nachlässiger Rechercheleistung nicht sicher.

© Christian Rupp 2013

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