Selbsthilfe

Im Folgenden finden Sie eine persönliche Zusammenstellung von durch mich für gut befundenen Ratgebern und Selbsthilfebüchern zu verschiedenen Themenbereichen. Dabei lag mir besonders am Herzen, besonders solche Bücher vorzustellen, denen es erstens nicht an Humor fehlt und die gegenüber psychologischer Fachliteratur das richtige Maß an Leichtigkeit und realem Alltagsbezug haben, ohne die Dinge unnötig zu verkomplizieren.

Depression: Ratgeberbücher sowohl für Betroffene als auch Angehörige

Ein sehr guter und gleichzeitig nicht zu umfangreicher Ratgeber zum Thema Depression ist der von Martin Hautzinger (mittleres Bild). Es finden sich hier wichtige Informationen zur Entstehung von Depression, zu Behandlungs- und Selbsthilfemöglichkeiten und zudem Hinweise für Angehörige, wie sie am besten mit einem Betroffenen umgehen.

Bei den beiden Büchern mit dem „schwarzen Hund“ handelt es sich um sehr anschauliche Bilderbücher, die bei Weitem nicht nur für Kinder gedacht sind. Der Kern des Inhalts ist das Erreichen einer akzeptierenden statt kämpferischen Haltung gegenüber der Depression. Das im linken Foto dargestellte Buch richtet sich dabei an Betroffene selbst, das im rechten Foto eher an Angehörige – inkl. Kindern.

Meine eigenen Artikel zum Thema Depression (Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten) finden Sie hier.

Wenn Ängstlichkeit und Sorgen das Leben bestimmen

Allen Menschen, deren Problem darin besteht, dass sie mit Dingen hadern, die nicht zu ändern sind, und deshalb das eigene Leben und die eigenen Ziele aus dem Auge verlieren, empfehle ich mit großem Nachdruck diese drei Bücher, die zwar sehr unterschiedlich geschrieben und auch sehr unterschiedlich alt sind, aber alle die fundamentalen Prinzipien der so genannten Akzeptanz- und Commitment-Therapie vermitteln. Die Bücher links und rechts im Bild bringen einem dieses Konzept eher in Alltagssprache und anekdotisch näher, während das Buch in der Mitte ein umfangreiches (300 Seiten) Selbsthilfebuch ist, welches detailliert sehr viele Facetten von „Akzeptanz und Commitment“ beschreibt, was auch ein Kapitel zum Thema Achtsamkeit und darüber hinaus jede Menge Übungsanleitungen beinhaltet.

Meine eigenen Artikel zum Thema Angststörungen finden Sie hier.

Selbsthilfe bei chronischen Schmerzen, Fibromyalgie & Co.

Diese beiden Ratgeberbücher empfehle ich all denjenigen, die von chronischen Schmerzen betroffen sind. Dabei ist es mir (wie auch den beiden Buchautoren) sehr wichtig, deutlich zu machen, dass es nicht darum geht, zu unterstellen, Schmerzen seien „eingebildet“. Nein, Schmerz ist immer eine reale Erfahrung. Bzgl. chronischer Schmerzerkrankungen wie z. B. der Fibromyalgie gilt jedoch: Psychische Faktoren spielen, weil Schmerzen letztlich im Gehirn entstehen, beim Erleben von Schmerzen eine riesige Rolle – und stellen somit eine vielfältige Einflussmöglichkeit auf Schmerzen dar, ganz unabhängig davon, ob der Schmerz nun ursprünglich eine körperliche Ursache hat(te) oder nicht.

Die beiden Bücher haben viele Gemeinsamkeiten. Das Buch von Martin von Wachter, einem Arzt, ist dabei mit knapp 100 Seiten sehr kurz und bündig und dabei aber durchaus informativ. Das Buch von Jutta Richter, einer Psychologin und Physiotherapeutin, ist mit rund 150 Seiten länger, jedoch meiner persönlichen Meinung nach auch noch anschaulicher geschrieben. Zudem enthält es deutlich mehr konkrete Übungsanweisungen als das zuerst genannte Buch und punktet bei mir mit einem beispiellos guten, sehr verständlichen und erklärungsreichen Einführungskapitel dazu, was Schmerzen eigentlich sind.

Ein wunderbarer Einstieg in das Thema „Achtsamkeit“

Wer gerne ohne viel Aufwand erste Erfahrungen mit dem Praktizieren von Achtsamkeit machen und dabei sich selbst und sein inneres Erleben besser wahrnehmen und verstehen lernen will, dem empfehle ich dieses kleine Büchlein, das ein einwöchiges Training in Sachen Achtsamkeit beschreibt, für das eigentlich jeder Interessierte Zeit finden müsste.

Für mehr Selbstsicherheit, gesunden Egoismus und Durchsetzungsvermögen

Allen Menschen, deren Problem es ist, dass sie gegenüber anderen immer wieder einknicken, es anderen recht machen und viel darauf geben, was andere über sie denken, sich selbst zurückstellen und aus scheinbar unerklärlichen Gründen nicht ernst genommen, sondern immer wieder ausgenutzt werden, empfehle ich sehr diese drei Bücher.

Die beiden Bücher von Ute Ehrhardt sind zwar komplett auf Frauen gemünzt, was ich im Sinne der Gleichberechtigung und überholter Stereotype nicht ganz so prickelnd finde, aber wenn man diesen Aspekt einfach ausblendet und ihre Ausführungen auf Menschen allgemein und nicht nur auf Frauen bezieht, dann kann ausnahmslos jede Frau und jeder Mann sehr viel aus diesen beiden Büchern lernen. Das Buch von Alexandra Reinwarth eignet sich gut für die, die etwas derbere Sprache und eben solchen Humor schätzen und deren Problem es ist, dass es ihnen viel zu wichtig ist, was andere über sie denken. Ich teile sicherlich nicht alle Ansichten, die hier dargelegt werden, aber ich empfehle es, weil es gerade für Menschen wie die gerade Beschriebenen auf ganz erfrischend radikale Weise neue Ansichten anbietet.

Wie gelangt man zu einem besseren Selbstwertgefühl?

Es passiert selten, dass ich von einem Buch wirklich hellauf begeistert bin – dieses ganz neue Buch ist unter allen mir bekannten Selbsthilfebüchern meiner Meinung nach das mit Abstand beste. Es integriert mit ganz viel Sinn, Verstand und Herz viele verschiedene Ansätze der Psychotherapie, ist leicht verständlich geschrieben und bietet eine Fülle an gut beschriebenen Übungen samt sehr guter Arbeitsblätter. Ich muss zugeben, dass bei meinem Urteil eine Rolle gespielt hat, dass diese Autoren offenbar sehr ähnlich denken und arbeiten wie ich – nämlich nicht nach Schema F (bzw. dem Dogma „Bei Störung X muss man Y machen“), sondern sich mit  viel Erfahrung, einigen guten wissenschaftlichen Grundlagen und jeder Menge gesundem Menschenverstand einem unglaublich wichtigen Thema widmen, das man guten Gewissens als die Wurzel des meisten psychischen Übels bezeichnen kann, das uns Psychotherapeuten so im Alltag begegnet.

Ratgeber zur Borderline-Störung

Dieser Ratgeber zur emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderine-Typ, kurz „Borderline-Störung“ genannt, eignet sich sowohl für Betroffene selbst (bzw. solche, die vermuten, betroffen zu sein) als auch für Angehörige von Betroffenen. Die Autoren beschreiben sehr gut die Hintergründe des für Angehörige oft widersprüchlichen Verhaltens der Betroffenen. Zudem wird Störung anschaulich sowie gut verständlich erklärt, und es finden sich fundierte Informationen zu Behandlungsansätzen, wobei der Ansatz der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) am ausführlichsten dargelegt wird. Definitiv aus meiner Sicht zu empfehlendes Buch.

Zum Umgang mit Zwangsgedanken

Dieses Selbsthilfebuch wendet sich an Menschen, die unter solchen Zwangsstörungen leiden, bei denen weniger die Zwangshandlungen, sondern eher die Zwangsgedanken im Vordergrund stehen. Da ich selbst u. a. durch meine Promotion zum Experten für dieses Thema geworden bin, habe ich dieses Buch besonders kritisch gelesen. Das Ergebnis: Sehr zu empfehlen, weil es sehr gut und verständlich geschrieben ist, (fast) alle relevanten Informationen und viele anschauliche Fallbeispiele enthält sowie gut verständlich hilfreiche Übungen im Umgang mit Zwangsgedanken beschreibt. Das einzige, was leider fehlt, ist das noch recht neue „dritte Standbein“ des Umgangs mit Zwangsgedanken, nämlich die Losgelöste Achtsamkeit nach Wells, deren Wirksamkeit ich mit meiner Kollegin Charlotte Falke untersucht habe (hier finden Sie eine Übersicht unserer Veröffentlichungen).

Bilderbücher für Kinder (und Erwachsene!)

Nur weil diese Bilderbücher für Kinder geschrieben wurden, heißt das nicht, dass nicht auch Erwachsene etwas daraus lernen können. Im Gegenteil: Bilderbücher für Kindern bieten den unschlagbaren Vorteil, dass sie auf ganz einfache Weise wichtige Grundprinzipien vermitteln: Der kleine Koalabär (Buch links im Bild) traut sich aus Angst vor der Welt nicht von seinem Baum herunter und wird traurig, weil er das Leben verpasst. Und im Buch „Der kleine Bauchweh“ (Buch rechts im Bild), welches sich sehr gut für Kinder eignet, denen z. B. immer morgens vor dem Kindergarten oder der Schule übel wird, wird schön deutlich, wie oft doch hinter solchen Körperempfindungen Gefühle wie Angst und Wut stecken. Beide Bücher, das vom Koalabären und das vom Kleinen Bauchweh, sind überdies auch noch wunderschön illustriert – da geht einem auch als Erwachsenen das Herz auf. Im Buch „Der kleine Bauchweh“ findet sich außerdem am Ende noch eine sehr gute Zusammenstellung an konkreten Tipps und Erklärungen für Eltern.

„Das Farbenmonster“ (mittleres Bild) wiederum bietet einen kindgerechten Einstieg in die Benennung und Unterscheidung von Gefühlen. Es eignet sich somit für Kinder, die mit den eigenen Gefühlen oft überfordert sind – und schießt darüber hinaus in Sachen künstlerischer Gestaltung absolut den Vogel ab. Es handelt sich nämlich um ein äußerst aufwendiges Pop-up-Buch, das so aufwendig gestaltet ist, dass es auch einem Erwachsenen unweigerlich ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert.

Für alle, die sich für die faszinierenden Eigenschaften unseres Darms interessieren

Dieses Buch kennen wahrscheinlich schon viele. Warum Sie es in dieser Liste finden? Nun, was die Gastroenterologin Giulia Enders sehr gut beschreibt, sind unter anderem die Wechselwirkungen zwischen unserem komplexen und lange unterschätzten Nervensystem im Darm (unserem „Darmhirn“) und unserem Gehirn. Sie finden hier ganz aktuelle Forschungsergebnisse aus diesem Bereich gut verständlich aufgearbeitet und werden u. a. viel darüber lernen, welchen Einfluss die in unserem Darm lebenden Bakterien auf unsere Psyche haben können. Darüber hinaus sehr interessant ist das Kapitel darüber, wie unser Körper es bewerkstelligt, zu erbrechen – was z. B. für diejenigen relevant ist, die starke Angst vor dem Erbrechen haben. Absolut lesenswert!