Motivation – Teil 6: Wenn wir wollen, was wir nicht mögen: Implizite und explizite Motive im Konflikt

Warum kommt es überhaupt zum Konflikt?

In den vergangenen Teilen ist es schon vermehrt angeklungen, und nun soll es in diesem Teil endlich darum gehen: um den Fall, dass implizite und explizite Motive sich widersprechen. Wie das sein kann? Nun, am einfachsten kann man dies beantworten, wenn sich einmal vor Augen führt, wie die beiden verschiedenen Formen von Motiven entstehen. Während implizite Motive in der sehr frühen Kindheit durch emotionale Lernerfahrungen entstehen (z.B. im Hinblick auf das implizite Leistungsmotiv die Erfahrung, dass das Überwinden von Herausforderungen sich „gut anfühlt“), bilden sich explizite Motive erst später zusammen mit dem Selbstbild aus. Und an dessen Entwicklung sind starke soziale und kognitive Faktoren beteiligt. Das Individuum lernt, welche Werte und Ziele von den Menschen in seiner Umgebung vertreten werden (sozialer Faktor), verarbeitet diese und versieht sie mit eigenen Wertungen (kognitiv) und formt schließlich daraus sein Selbstkonzept mit seinen persönlichen Wünschen und Zielen. So kann ein starkes explizites Leistungsmotiv z.B. entstehen, wenn ein Kind von vielen sehr erfolgreichen Menschen umgeben ist, die immer wieder direkt oder indirekt den Eindruck vermitteln, dass Erfolg einen Menschen wertvoll macht. Als Konsequenz hieraus formt das Kind ein Selbstkonzept der Sorte „Ich bin ein Leistungsträger“ bzw. „Ich muss mich anstrengen“, und folglich wird von dem Erreichen dieser selbst gesetzten Ziele der Selbstwert dieses Menschen abhängen. Erfolge steigern den Selbstwert, Misserfolge werden ihn mindern. Ich werde bei diesem Beispiel bleiben, um einmal zu verdeutlichen, was passiert, wenn ein solches explizites Motiv nicht zum jeweiligen impliziten Motiv passt. Denn ist dies nicht der Fall, kann das zu motivationalen Defiziten und starken emotionalen Beeinträchtigungen führen.

Der „verborgene Stressor“: Wollen, aber nicht mögen

Gut untersucht sind die Probleme, die auftreten, wenn ein stark ausgeprägtes explizites Leistungsmotiv („Ich will gut sein“) auf ein nur schwach ausgeprägtes implizites Leistungsmotiv trifft. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Selbstbild sagt: „Ich bin ein Topstudent“, man aber eigentlich gar keine Freude an Herausforderungen hat (implizites Motiv). Personen mit dieser Motivstruktur wollen Leistung zeigen, weil die daraus resultierenden Erfolge für sie belohnend sind, da sie ihren Selbstwert steigern. Sie mögen Herausforderungen (z.B. die Abschlussarbeit verfassen) selbst aber gar nicht, sodass diese als furchtbar anstrengend erlebt werden, weil die Tätigkeit selbst nicht zu ultimativen positiven Gefühlskonsequenzen führt. Nicht selten können sich solche Menschen dann über ein erreichtes Ziel auch nicht freuen, weil die Arbeit auf dem Weg dorthin als so erschöpfend erlebt wurde, dass man einfach nur froh ist, dass man’s hinter sich gebracht hat. Und hier kommt nun auch der Rückbezug zum Thema Volition: Wenn das implizite Motiv fehlt, fehlt aufgrund der fehlenden kurzfristigen Gefühlskonsequenzen auch die Motivation. Gesteuert werden diese Handlungen dann ausschließlich durch Volition, also durch die Kraft des Willens. Bei Menschen, die ein starkes explizites und ein schwaches Leistungsmotiv vereinen, spricht man daher auch von „volitionaler Erschöpfung“. Dies beschreibt einen Zustand der Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit im Hinblick auf Tätigkeiten, für die aktuell keine Motivation aufgebracht werden kann und die daher rein willentlich gesteuert werden müssen. Diese Dinge machen keinen Spaß, gehen alles andere als leicht von der Hand und ziehen sich wie Gummi, angetrieben jedoch von dem fernen Ziel, das Selbstbild zu bestätigen und, im Falle einer Abschlussarbeit z.B., den Selbstwert durch eine sehr gute Note zu steigern. Dieser Zustand der „volitionalen Erschöpfung“ gilt in der klinischen Psychologie als so genannter „verborgener Stressor“ (Stressor = Stressauslöser) – „verborgen“ deshalb, weil die Ursache (das zu schwache implizite Motiv) den Betroffenen nicht bewusst und daher nicht zugänglich ist.

Weitere Beispiele: Anschluss & Macht

Ähnliche Probleme entstehen, wenn das implizite Anschlussmotiv nur gering ausgeprägt ist, aber das explizite sehr stark. Dies ist z.B. der Fall, wenn mein Selbstkonzept besagt: „Ich brauche viele Freunde, weil das zeigt, dass ich beliebt bin“ (Wie diese Annahme auch kulturell geprägt wird, kann man in jedem amerikanischen Teenie-Film betrachten), aber soziale Beziehungen eigentlich gar keinen Belohnungswert für mich haben, weil ich mich in Gesellschaft überhaupt nicht wohl fühle. Solche Menschen leiden auch an starkem Stress, der dadurch entsteht, dass sie sich dazu verpflichtet fühlen, bewusst darauf zu achten, dass sie all ihren sozialen Kontakten gerecht werden (durch regelmäßige Treffen, Telefonate, Geschenke, etc.). Denn schließlich haben sie im Kopf, dass sie gemocht werden müssen, weil sie sonst kein wertvoller Mensch sind (wieder Thema Selbstwert). Das Pflegen der sozialen Kontakte wird ebenso wie beim letzten Beispiel als furchtbar anstrengend empfunden, positive emotionale Konsequenzen kurzfristiger Art gibt es nicht.
Ähnliches gilt für ein schwaches implizites und ein starkes explizites Machtmotiv, z.B. beim Sohn eines Unternehmens, der von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommt, dass er eines Tages das Familienunternehmens übernehmen soll. Es formt sich das Selbstbild „Ich bin ein Anführer“, das jedoch von keinem impliziten Machtmotiv unterstützt wird: Macht ausüben macht einfach keinen Spaß, sich durchsetzen ist dem Mann unangenehm, und Führungsverhalten wird als anstrengend empfunden. Es „liegt“ solchen Leuten einfach nicht, andere zu dominieren.

Und andersrum: Wenn wir mögen, aber nicht wollen

Der Fall, dass das implizite Motiv stark und das explizite schwach ausgeprägt ist, existiert allerdings auch. Es hat keine so belastenden Folgen wie das Gegenteil, kann aber dazu führen, dass Menschen nie zu dem gelangen, was ihnen wirklich Freude bereitet. Wenn z.B. ein großes implizites Leistungsmotiv vorhanden ist, eine Person also Freude beim Aufsuchen und Bewältigen von Herausforderung empfindet, aber das Selbstbild dieses nicht widerspiegelt, werden die entsprechenden Aktivitäten (z.B. ein Studium) nicht aufgesucht. Dies ist z.B. ein Problem in so genannten „Arbeiter-Familien“, in denen akademische Bildung nicht üblich ist. Wenn ein Kind in einer solchen Familie nicht lernt, dass Bildung wichtig ist (z.B. um ein selbstbestimmtes Leben zu führen), sondern dass es viel wichtiger ist, möglichst schnell (wenn auch nicht viel) Geld zu verdienen, wird das Selbstbild dieses Kindes nicht das explizite Motiv enthalten, Leistung zu demonstrieren, weil dieses nicht wichtig für den Selbstwert ist. Am Ende führt dies dann dazu, dass das jeweilige Kind sein implizites Leistungsmotiv nie ausleben wird – und ihm zahlreiche Erfahrungen, die es mit Freude erfüllen würden, verwehrt bleiben werden.

Klinische Folgen und psychotherapeutische Maßnahmen

Es leuchtet ein, dass solche Widersprüche in der Motivstruktur eines Menschen erhebliche Folgen für dessen psychische Gesundheit haben können. Klinisch betrachtet zeigt die Forschung, dass solche „chronische Inkonsistenzen“ das Risiko für Depression und somatoforme (d.h. psychosomatische) Störungen erhöhen. Typische Probleme von Patienten in psychotherapeutischer Behandlung bestehen zudem oft darin, dass sie unfähig sind, sich von expliziten Partnerschafts- und Berufszielen („Ich will mit ihr zusammenbleiben, weil ich nicht weiß, wo ich sonst hin soll“ / „Mein Job macht mir keinen Spaß, aber immerhin ist er sicher) zu trennen, die ohne Freude verfolgt werden oder hohe psychische Kosten mit sich bringen. Dann ist es wichtig, Patienten auf ihre impliziten Motive aufmerksam zu machen und diese nach Möglichkeit mit ihren expliziten Motiven in Einklang zu bringen („Klärungsarbeit“). Ein weiterer Anwendungspunkt besteht im therapeutischen Prozess selbst: Zu Beginn einer Psychotherapie setzen sich Patienten üblicherweise Ziele, die sie im Verlauf der Therapie erreichen wollen. Hierbei ist es wichtig, zu beachten, dass diese Ziele mit den impliziten Motiven des Patienten deckungsgleich sind. Außerdem ist es wichtig, zu überwachen, ob ein zu Beginn der Therapie gesetztes Ziel vielleicht doch abgelegt oder geändert werden muss, weil es nicht mehr mit den inzwischen geklärten impliziten Motiven im Einklang steht.

Was sie sich jetzt vielleicht fragen, ist: „Toll, und wie komme ich nun an meine impliziten Motive?“ Einen Weg habe ich bereits in Teil 4 vorgestellt: den TAT bzw. dessen Neuentwicklung, die Picture Story Exercises. Ein paar einfachere Tipps finden Sie im finalen Teil Nr. 7, der sich ausschließlich mit dieser Frage auseinander setzt.

© Christian Rupp 2013

Motivation – Teil 4: Wie bewusst ist unser Handeln? Von expliziten und impliziten Motiven.

Bisher haben wir gesehen, wie Motivation grundsätzlich entsteht, wie sie mit Emotionen zusammenhängt und was benötigt wird, wenn es an Motivation fehlt. Nun soll es um das wohl spannendste Thema gehen, nämlich die Frage, inwiefern uns unsere Motive bewusst sind oder nicht. Wie bewusst treffen wir unsere Entscheidungen? Wie bewusst sind uns unsere Beweggründe, in einer bestimmten Situation so und nicht anders zu handeln? Warum lesen Sie gerade diesen Text?

In der Tat gibt es fast jedes Motiv in einer bewussten und einer unbewussten Form, und man spricht dementsprechend von expliziten (d.h. bewussten) und impliziten (d.h. unbewussten) Motiven. Aber was heißt „bewusst“ und was heißt „unbewusst“?

Was ist die Hauptstadt von Frankreich?

Nun, in Ihrem Kopf wird sich die Antwort „Paris“ breit machen. Dieser Teil ist daher bewusst, er ist Teil Ihres Bewusstseins. Die Such- und Abrufprozesse, die hierzu erst in Ihrem Gehirn stattfinden mussten, sind hingegen nicht Teil Ihres Bewusstseins, sie sind unbewusst. Genau so sind auch implizite Motive unbewusst, d.h. wenn man Menschen fragt: „Warum machst du das?“, können Sie einem über ihre impliziten Motive im Normalfall keine Auskunft geben. Dass dies so ist, sollte man nicht meinen, denn Menschen sind oftmals in der Lage, einem durchaus eloquent die Beweggründe für ihr jeweiliges Handeln darzulegen. Zugriff haben sie dabei aber lediglich auf ihre expliziten Motive, was erklärt, dass wir oft aus anderen Gründen handeln als wir meinen.

Warum ist das so? Eine Frage der Kapazität.

Es ist dabei in der Tat zwingend nötig, dass viele motivationale Vorgänge unbewusst, d.h. implizit gesteuert werden – denn unser Bewusstsein hat eine sehr begrenzte Kapazität, die ca. das Lesen des Satzes „Paris ist die Hauptstadt von Frankreich“ umfasst. Unglaublich viele Entscheidungen werden von uns unbewusst getroffen, geleitet durch implizite Motive. Denn der unbewusste Teil der in unserem Gehirn ablaufenden Prozesse hat eine vergleichsweise gigantische Kapazität, die es ihm ermöglicht, in der gleichen Zeit viel mehr Informationen zu verrechnen und zu einem Entschluss zu gelangen als der bewusste Teil. Unser Gehirn wäre sonst schlichtweg überfordert.

Eine knackige Gegenüberstellung: explizite vs. implizite Motive

Explizite Motive sind Teil des Selbstbilds, das praktisch die eigene Definition einer Person darüber beinhaltet, wer sie ist. Das Selbstbild oder Selbstkonzept gibt u.a. Antworten auf die Fragen: „Wer bin ich?“, „Was ist mir wichtig?“ und „Was will ich erreichen?“. Es enthält also eigene Bedürfnisse, Wünsche und Ziele, die man auch als explizite Motive bezeichnen kann. Implizite Motive haben mit diesen expliziten Motiven kaum etwas zu tun – es handelt sich tatsächlich um zwei unabhängige Motionssysteme. Implizite Motive regulieren Verhalten, so wie in den vorherigen Teilen beschrieben, durch die Erwartung (meist kurzfristiger) positiver emotionaler Konsequenzen. Explizite Motive tun dies hingegen durch das Streben nach einem konsistenten Selbstbild und einem positiven Selbstwertgefühl. Das heißt, wenn es z.B. Teil meines Selbstbildes ist, gute Leistungen zu erbringen, werde ich mich deshalb besonders anstrengen, um mein Selbstbild zu bestätigen. Das wiederum tue ich, weil von solch einem konsistenten Selbstbild mein Selbstwert abhängt.
Auch das Verhältnis zum Verhalten ist bei den zwei Sorten von Motiven grundsätzlich unterschiedlich. Implizite Motive bedingen Verhalten direkt, explizite Motive ermöglichen es uns eher, zwischen verschiedenen Handlungsalternativen zu wählen und Ziele zu setzen. Interessant ist außerdem, dass implizite Motive so genannte „Tätigkeitsanreize“ haben, während explizite Motive eher „Ergebnisanreize“ haben. Das bedeutet, dass implizite Motive durch sehr kurzfristige emotionale Konsequenzen der Tätigkeit bedingt sind – die Tätigkeit selbst (z.B. Prüfungsliteratur lesen) „macht Spaß“, während das „Antreibende“ bei den expliziten Motiven die erwarteten Emotionen sind, die durch das Ergebnis der Tätigkeit eintreten (z.B. eine gute Note in der Klausur). Außerdem unterscheiden sich die beiden Motivarten noch hinsichtlich ihrer Entwicklung bzw. Entstehung: Implizite Motiv entwickeln sich bereits in der frühen Kindheit, bevor das Kind sich sprachlich ausdrücken kann, durch emotionale Lernerfahrungen (man lernt, was zu positiven Gefühlszuständen führt und was nicht). Explizite Motive hingegen entstehen später, parallel zum Selbstbild des Menschen, das sich generell erst entwickelt, wenn der Mensch über sprachlichen Ausdruck verfügt.

Ein Beispiel: implizites und explizites Leistungsmotiv

Wie oben bereits angedeutet, unterscheiden sich das implizite und das explizite Leistungsmotiv grundsätzlich. Von einem impliziten Leistungsmotiv spricht man, wenn es einer Person Freude (kurzfristige, positive emotionale Konsequenzen) bereitet, ihre eigenen Fähigkeiten zu steigern und auszubauen, den Lernstoff zu verstehen, sich selbst Herausforderungen zu setzen, etc. Das explizite Leistungsmotiv hingegen strebt vielmehr danach, eine Bestätigung für ein Selbstkonzept der Sorte „Ich will zur Spitze gehören“ zu bestätigen. Wie im letzten Absatz beschrieben, geht es hier um die Ergebnisse des Handelns, nicht um das Handeln selbst. Die erwarteten Gefühlskonsequenzen des Ergebnisses (z.B. eine bestimmte Prüfungsnote) sind hier die treibende Kraft, und die vorwiegend angestrebte Emotion ist Stolz, d.h. eine Erhöhung des Selbstwerts. Das explizite Leistungsmotiv führt zu einer bewussten Zielsetzung (z.B. „Ich will mein Abitur mit einer „1“ vor dem Komma machen), das implizite Leistungsmotiv entzieht sich gemäß seiner Definition jeder bewussten Verarbeitung. In einem späteren Teil werden wir das implizite und explizite Leistungsmotiv noch einmal wieder treffen und uns den Fall anschauen, dass die beiden sich nämlich völlig widersprechen.

Wie greifen implizite und explizite Motive nun ineinander?

Explizite Motive bestimmen maßgeblich, in welchen Bereichen implizite Motive angeregt werden. Wieder Beispiel Leistungsmotiv: Das implizite Leistungsmotiv richtet sich unspezifisch auf alle Tätigkeiten, die man, plakativ gesagt, gut oder schlecht machen kann. Je nach Selbstkonzept und damit verbundenem expliziten Motiv (z.B. „guter Sportler“ oder aber „guter Schüler“) kann sich das implizite Motiv dann eher im einen oder im anderen Bereich entfalten. Das bedeutet: Explizite Motive bleiben wirkungslos, wenn nicht gleichzeitig ein passendes implizites Motiv besteht, das die Tätigkeit emotional „auflädt“. Die Forschung zeigt: Ca. die Hälfte aller expliziten Motive haben keinen impliziten „Partner“ und damit eine schlechte Chance, tatsächlich umgesetzt zu werden. Da sich dazu aber noch vielmehr sagen lässt, verweise ich auch hier wieder auf die noch folgenden Teile, wo sich diesbezüglich noch sehr spannende Erkenntnisse ergeben werden.

Und zum Schluss: Wie kann man Motive überhaupt erfassen?

Die Forschung zur Messung von Motiven war es tatsächlich, die überhaupt erst zur Unterteilung zwischen impliziten und expliziten Motiven führte. Kurz zusammengefasst ist es so, dass man explizite Motive mit geeigneten Fragebögen oder Interviews erfragen kann, da diese bewusst zugänglich sind und sprachlich wiedergegeben werden können. Implizite Motive müssen hingegen mit indirekten Verfahren erfasst werden. Bewährt hat sich hierbei vor allem der TAT, der Thematische Apperzeptionstest. Hierbei handelt es sich um eines der wenigen projektiven psychologischen Testerfahren, das zufrieden stellende psychometrische Testeigenschaften aufweist und somit valide (d.h. tatsächlich) gültige Aussagen über eine Person erlaubt (Streng genommen gilt dies jedoch sehr viel mehr für die moderne Weiterentwicklung des TAT, die Picture Story Exercises, die dem gleichen Prinzip folgen, aber bessere psychometrische Gütekriterien aufweisen). Der Test ist so aufgebaut, dass Personen mehrdeutige Bilder präsentiert werden (z.B. eines, das einen Mann und eine Frau auf einer Parkbank zeigt) und die Personen dann eine Geschichte zu diesem Bild erzählen sollen. Die recht gut belegte Annahme dabei ist die, dass sich in den Geschichten die impliziten Motive der Erzählenden niedergeschlagen – oder mit anderen Worten: Die Erzählenden projizieren (deshalb „projektives“ Testverfahren) ihre unbewussten Motive auf die neutrale Situation. So würde in unserem Beispiel z.B. ein stark anschlussmotivierter Mensch eine Geschichte erzählen, in der das Knöpfen sozialer Beziehungen eine Rolle spielt, ein Mensch mit starkem Machtmotiv würde vielleicht eine Konkurrenzsituation in seine Geschichte einbauen. Die Antworten der Personen in diesem Test werden aufgezeichnet und hinterher entsprechenden Kategorien zugeordnet, was die Auswertung sehr aufwendig macht. Im letzten Teil dieser Themenreihe werde ich aber auch noch ein paar einfachere Tricks verraten, mit denen man seinen impliziten Motiven auf den Grund gehen kann.

In Teil 5 geht es um einen wichtigen Verdienst unserer impliziten Motive – die neurowissenschaftliche Ergründung unseres so genannten „Bauchgefühls“.

© Christian Rupp 2013